Studenten aus den Euro-Krisenländern zieht es verstärkt in die stabileren Regionen des Währungsraums. Nach einer Erhebung der EU-finanzierten Internetplattform Studyportals, die der FTD vorliegt, stiegen die Bewerberzahlen für das Wintersemester 2012 aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien gegenüber 2011 um durchschnittlich 150 Prozent. Auch Deutschland ist Zielland.
Der Anstieg steht in engem Zusammenhang mit der desaströsen Arbeitsmarktsituation für Jugendliche in den Krisenregionen. In Griechenland und Spanien sind mehr als 50 Prozent der jungen Menschen ohne Job. Und auch in Italien und Portugal liegt die Jugendarbeitslosigkeit über der 30-Prozent-Marke.
Durch ein Studium im Ausland erhofften sich die Jugendlichen bessere Karrierechancen in ihren Heimatländern, analysiert Studyportals. Oder sie setzten darauf, eine feste Anstellung in ihrem Studienland zu finden. Die Krisenländer könnten dadurch ihre besten Köpfe verlieren. Nur wenn sie zurückkehrten, hätte die Wanderungsbewegung positive Effekte für ihre Heimatländer.
Die von der Arbeitsstelle Uni Assist erhobenen Daten zeigen auch einen starken Anstieg der Bewerberzahlen in Deutschland. Das wachsende Angebot von englischsprachigen Studienprogrammen erhöht die Attraktivität von Hochschulen in den Niederlanden, Deutschland und Schweden zusätzlich. Nach vorläufigen Zahlen haben sich für das Wintersemester rund 390 Griechen für ein Studium an deutschen Universitäten gemeldet. 2010 waren es lediglich 224. Bei den Italienern stiegen die Bewerberzahlen von 333 auf 444 für das Wintersemester. Und aus Spanien gab es bislang 264 Bewerbungen. Vor zwei Jahren waren es nur 151.
Die Freie Universität Berlin (FU) bestätigt den Trend. "Wir beobachten einen Anstieg von etwa 30 Prozent seit 2010", sagte Matthias Kuder von der FU. Besonders groß sei das Interesse aus den südlichen Krisenländern. Ähnliches berichtet die Utrecht University. "Die Bewerbungen aus Griechenland, Spanien und Italien haben sich in den letzten fünf Jahren beinahe verdreifacht", sagte Marketingleiterin Tina Kock. Allein 2011 registrierte sie einen Bewerberanstieg von mehr als 50 Prozent aus Griechenland. Bei der Freien Universität Brüssel meldeten sich in diesem Jahr doppelt so viele Griechen an wie im vergangenen Jahr.