Ende Oktober waren nach Berechnungen der FTD und der Financial Times auf Basis der Notenbankdaten Euro-Scheine im Wert von 592 Mrd. Euro und Dollar-Scheine im Wert von 579 Mrd. Euro im Umlauf.
Jüngere Vergleichszahlen sind bislang nicht verfügbar. Zwar stieg im November und Dezember die Zahl der Euro-Scheine noch einmal kräftig. Aus den USA liegen jedoch noch keine Daten vor. Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass der Dollar den Vorsprung einholen kann. Damit zeichnet sich ab, dass der Euro zum Jahreswechsel auch zu den jeweiligen Wechselkursen erstmals über eine längere Zeit hinweg den Dollar als stärkste Bargeldwährung verdrängt.
Die Entwicklung macht deutlich, dass die europäische Einheitswährung knapp fünf Jahre nach der Bargeldeinführung auch außerhalb der Euro-Zone an Boden gewinnt. "Wir dachten, dass das Wachstum sich nach dem Start stabilisiert, aber es hat sich fortgesetzt", sagte Antti Heinonen, Leiter der Abteilung Banknoten bei der EZB. Bei der Wirtschaftskraft liegen die USA mit ihrem Bruttoinlandsprodukt vor den Europäern. 300 Millionen US-Bürger erwirtschaften 2005 gut 10.000 Mrd. Euro - 311 Millionen Euro-Zonen-Bewohner 7991 Mrd. Euro.
Der Erfolg des Euro als Bargeldwährung kommt kurz vor der Erweiterung der Währungsunion. Mit dem Jahreswechsel wird Slowenien 13. Mitglied. In den anderen großen Staaten Osteuropas verzögert sich der Start allerdings.
Dafür wird der Euro auch als Anlagewährung international populärer. So teilten die Vereinigten Arabischen Emirate am Mittwoch mit, bis September 2007 einen Teil ihrer Fremdwährungsreserven von Dollar in Euro umschichten zu wollen. Der Euro-Anteil solle von zwei auf zehn Prozent steigen, der Dollar-Anteil von 98 auf 90 Prozent fallen, hieß es. Sein Land habe "in beschränktem Rahmen" begonnen, einen Teil seiner Dollar-Reserven zu verkaufen, sagte Sultan Bin Nasser al-Suwaidi der Nachrichtenagentur Bloomberg. Ähnlich hatte sich jüngst die iranische Regierung geäußert. Eine hohe internationale Akzeptanz der eigenen Währung birgt ökonomische Vorteile - etwa die Möglichkeit, sich gegen Wechselkursschwankungen zu immunisieren. Allerdings führt eine wachsende Nachfrage auch dazu, dass die eigene Währung tendenziell aufwertet, was die Exportwirtschaft stark belasten kann.
Obwohl der Euro aufholt, liegt der Dollar zumindest als Anlagewährung immer noch mit großem Abstand an erster Stelle. Nach Daten der EZB hielten die Zentralbanken 2005 24,3 Prozent ihrer Reserven in Euro und 66,4 Prozent in Dollar. 1999 lag der Euro-Anteil bei 17,9 Prozent.
Die EZB, die über die Versorgung der Wirtschaft mit Euro wacht, hat stets betont, eine neutrale Position zur internationalen Rolle des Euro zu haben und den Gebrauch der Währung weder zu fördern noch zu behindern. Heinonen bezeichnete es als abwegig, dass die starke Zunahme besonders von 500-Euro-Noten ein Beleg für die Popularität der Währung bei Kriminellen sei. Bargeld lässt sich leichter vor den Behörden verbergen als Kontostände. Die größte Dollar-Note ist der 100-$-Schein.