FTD.de » Politik » Europa » Ökonomen sehnen sich nach EZB als Retter

Merken   Drucken   16.11.2011, 12:50 Schriftgröße: AAA

Euro-Schuldenkrise: Ökonomen sehnen sich nach EZB als Retter

Wirtschaftswissenschaftler drängen auf eine massive Intervention der Notenbank. Allein die Ankündigung zum unbegrenzten Kauf von Anleihen könnte demnach diese Länder stützen - die im Gegenzug hart sparen müssten.
© Bild: 2011 Bloomberg/Hannelore Foerster
Wirtschaftswissenschaftler drängen auf eine massive Intervention der Notenbank. Allein die Ankündigung zum unbegrenzten Kauf von Anleihen könnte demnach diese Länder stützen - die im Gegenzug hart sparen müssten. von Martin Kaelble und Fabian Löhe, Berlin
Angesichts der zunehmenden Eskalation der Euro -Schuldenkrise werden unter Ökonomen Rufe nach einem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) immer lauter. "Mit der jüngsten Eskalation muss die EZB entschlossen eingreifen und als letzter Retter agieren", sagte Dani Rodrik, Starökonom an der Harvard University der FTD. Ähnlich äußerte sich der Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen: Bei Zinsaufschlägen von sieben Prozent für Italien müsse die Notenbank einschreiten, so Eichengreen.
Raghuram Rajan, Starprofessor von der University of Chicago knüpft an eine stärkere Intervention der EZB Bedingungen: "Es braucht eine gewisse Sicherheit, dass die Regierungen in Spanien und Italien ernsthaft Reformen angehen. Ist das gegeben, könnte die EZB intervenieren, mit einem klaren Zielband für die Spreads vor Augen", sagte der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds der FTD.
Die Ökonomen wenden sich damit gegen die Linie der Bundesregierung. Diese argumentiert, dass Italiens Zinsen steigen, obwohl die EZB interveniere. Die EZB kauft derzeit über die Börsen - also nicht direkt von den Ländern - Anleihen der Staaten in finanzieller Not, um die Renditen zu drücken. Die EZB hatte die Käufe bislang aber stark dosiert und in der vergangenen Woche sogar von 9,5 auf 4,5 Mrd. Euro mehr als halbiert.
Die Notenbank ist entschlossen, dass die Aufkäufe beschränkt bleiben sollen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte jüngst bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als EZB-Chef betont, dass die Käufe nur geldpolitischen Zielen dienten und die Euro-Zentralbank eine Rolle als Kreditgeber der letzten Instanz ablehne. Doch dieses Vorgehen ist auch innerhalb der Zentralbank umstritten.
Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler (FDP) hatte das Ansinnen nach einem unbegrenzten Ankauf mit der Begründung zurückgewiesen, der EZB werde damit die zentrale Rolle bei der Bewältigung der Schuldenkrise gegeben. Kurzfristig zeigten Anleihekäufe zwar die gewünschte Wirkung, sagte der Vizekanzler. "Damit würde aber der Anreiz für eine dauerhafte Stabilität und Reformen in der Euro-Zone verloren gehen." Italien habe im Sommer gezeigt, dass die Bereitschaft zur Modernisierung des Staates sinke, wenn die EZB mit Bond-Erwerbungen Renditen und Risikoaufschläge für Staatsanleihen drücke. "Falls die EZB ihre Schleusen öffnen würde, könnten wir diese nie wieder schließen."
Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte beim CDU-Parteitag in Leipzig, es dürfe "keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank" geben. Schäubles Widerstand fußt darauf, dass er bei ausgeweiteten Anleiheaufkäufen eine Zunahme von Inflationsängsten in Deutschland fürchtet.

Teil 2: Deutsche Fachleute für temporäre Lösung

  • FTD.de, 16.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich!

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote