Die Ökonomen wenden sich damit gegen die Linie der Bundesregierung. Diese argumentiert, dass Italiens Zinsen steigen, obwohl die EZB interveniere. Die EZB kauft derzeit über die Börsen - also nicht direkt von den Ländern - Anleihen der Staaten in finanzieller Not, um die Renditen zu drücken. Die EZB hatte die Käufe bislang aber stark dosiert und in der vergangenen Woche sogar von 9,5 auf 4,5 Mrd. Euro mehr als halbiert.
Die Notenbank ist entschlossen, dass die Aufkäufe beschränkt bleiben sollen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte jüngst bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als EZB-Chef betont, dass die Käufe nur geldpolitischen Zielen dienten und die Euro-Zentralbank eine Rolle als Kreditgeber der letzten Instanz ablehne. Doch dieses Vorgehen ist auch innerhalb der Zentralbank umstritten.
Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler (FDP) hatte das Ansinnen nach einem unbegrenzten Ankauf mit der Begründung zurückgewiesen, der EZB werde damit die zentrale Rolle bei der Bewältigung der Schuldenkrise gegeben. Kurzfristig zeigten Anleihekäufe zwar die gewünschte Wirkung, sagte der Vizekanzler. "Damit würde aber der Anreiz für eine dauerhafte Stabilität und Reformen in der Euro-Zone verloren gehen." Italien habe im Sommer gezeigt, dass die Bereitschaft zur Modernisierung des Staates sinke, wenn die EZB mit Bond-Erwerbungen Renditen und Risikoaufschläge für Staatsanleihen drücke. "Falls die EZB ihre Schleusen öffnen würde, könnten wir diese nie wieder schließen."
Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte beim CDU-Parteitag in Leipzig, es dürfe "keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank" geben. Schäubles Widerstand fußt darauf, dass er bei ausgeweiteten Anleiheaufkäufen eine Zunahme von Inflationsängsten in Deutschland fürchtet.