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Merken   Drucken   17.08.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Europa-Kampagne: Lieber eitel als für Europa

Leitartikel Griechenland, so behaupten führende Politiker aus Bayern und Berlin derzeit gern, sei nicht mehr zu retten, also weg damit, raus aus dem Euro, raus aus dem Sinn. Mit solcher Politsimplizität hat sich die deutsche Politik nicht gerade Freunde in der Welt gemacht.

Die Deutschen - die einst regiert wurden von Pro-Europa-Kanzlern wie Adenauer, Brandt, Schmidt und Kohl - gelten inzwischen als Euroskeptiker, denen nationale Interessen wichtiger erscheinen als europäische. Was kein Wunder ist, wenn gerade Regierungspolitiker seit 2008 so auftreten, als seien deutsche Interessen und europäische entgegengesetzt. Dabei gehen sie in Wahrheit in dieselbe Richtung.

Da sich Teile der deutschen Politik diesem Eingeständnis verweigern, sieht sich nun die Bürgergesellschaft in der Pflicht: Die Mercator-Stiftung wollte mit dem Slogan "Wir für Europa" in Erinnerung rufen, welche proeuropäische Haltung die Bundesrepublik einst in der EU einnahm. Inzwischen jedoch bremst sie lieber, als die Integration anzutreiben.

Es war verdienstvoll, für eine Pro-Europa-Kampagne die Außenminister der vergangen vier Jahrzehnte zu gewinnen. Umso bedauerlicher ist es, wenn sie nun so nicht zustande kommt, weil Amtsinhaber und -vorgänger sich lieber in ihren Eitelkeiten ergehen. Nun kann man darüber streiten, ob solch eine Kampagne sinnvoll ist, denn hinter dem gemeinsamen Slogan gibt es deutliche inhaltliche Differenzen, wie Europa gerettet werden kann. Aber vielleicht wäre diese Kampagne mit Deutschlands Chefdiplomaten ein Auslöser geworden, sich endlich gemeinsam zum Ziel der Europa-Rettung zu bekennen und nur noch über die Mittel dazu streiten. Statt wie bisher in alten Rezepten zu verharren und das als "alternativlos" zu bezeichnen.

Aber Joschka Fischer wie Guido Westerwelle war offenbar das eigene Bild wichtiger als das große Ziel. Insofern repräsentieren sie doch ganz gut die derzeitig Haltung Deutschlands in der Euro-Krise.

  • Aus der FTD vom 17.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 18.08.2012 14:01:14 Uhr   Gerard: Gerard

    Deutschland kann von dem Export nach Russland, USA und China nicht überleben. Die USA wird bald zahlungsunfähig sein un der Dollar im Keller gehen. China wird in 2013-14 abrupt in die Knie fallen. Brasilien ist eine Kreditblase, das Einkommen ist sehr niedrig und alles läuft dort über Kreditbanken und wird wie Spanien enden. Was passiert dann in 2014? Diese ganze Arroganz, diese ganze MIsskonstruktion des Euros, die Schulden von den Südstaaten werden den deutschen Banken und Versicherungen in den Abgrund ziehen. Wer wird Deutschland retten? Ihre unzählige Rentner? Ihre Innenwirtschaft, mit Geschäfte, die ein nach dem anderen schliessen? Ihre gut ausgebildete Auslander? Seien wir etwas realistisch und nicht so arrogant. Wenn wir Europa nicht anders und schnell gestalten, sind wir bald Vergangenheit.

  • 17.08.2012 11:29:51 Uhr   Joe Bartsch: Kein Wunder. Echt nicht.
  • 17.08.2012 11:23:38 Uhr   hubert scheuerecker: am Thema vorbei...
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