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  06.06.2010, 10:00    

Europäische Zentralbank: Weber kann nicht EZB-Präsident werden

Kommentar Wegen Merkels Alleingängen in der EU wird der nächste Präsident der Europäischen Zentralbank kein Deutscher, sondern eher ein Holländer. von Melvyn Krauss
Melvyn Krauss ist emeritierter Professor für Volkswirtschaft der Universität New York und Senior Fellow an der Hoover Institution der Universität Stanford
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat durch die abrupte Kehrtwende in Sachen Erwerb von Staatsanleihen enorm an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen kann, ist ein weiterer Verlust an Vertrauen. Dazu würde es aber kommen, würde der nächste Präsident der EZB persönlich von Kanzlerin Angela Merkel ausgewählt, die zunehmend auf Populismus und Alleingänge setzt.
Axel Weber   Axel Weber
Der Gedanke, dass der neue EZB-Präsident seinen Posten einer Politikerin verdankt, die die Märkte gern kritisiert, wenn es ihr politisch nutzt - noch dazu, ohne sich vorher mit ihren Partnern abzusprechen -, sollte alle Europäer beunruhigen, denen die Sicherheit und die Zukunft des Euro am Herzen liegen. Darf man darauf vertrauen, dass Merkel, die zunehmend sprunghaft in ihren Entscheidungen wird, nicht versucht, in Frankfurt die Fäden zu ziehen? Und dass ihr Protegé, Bundesbankpräsident Axel Weber, stark genug ist, ihr zu widerstehen?
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Die EZB wird bereits von ehemaligen Bundesbankvolkswirten und -mitarbeitern beherrscht. Erhielte die EZB, die ihren Sitz in Frankfurt hat, auch noch einen deutschen Präsidenten, würde sie praktisch zu einer deutschen Institution. Und das zu einem Zeitpunkt, da sich Europas Zentralbank von Berlins wachsendem populistischen Einfluss distanzieren muss.
Zwar hat Weber mit viel Aufheben erklärt, er habe gegen die umstrittene Maßnahme der EZB gestimmt, Staatsanleihen zu kaufen. Doch bisher gab er sich auffallend zurückhaltend zu Merkels Entscheidung, ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und Staatsanleihen zu verbieten. Oder zu ihrer Kampagne für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte. Oder zu ihrer Neigung, Spekulanten zum Sündenbock zu machen. Wird Weber bei diesen wichtigen Themen, die für den Posten, den er anstrebt, so relevant sind, die Konfrontation mit der Kanzlerin suchen?
Doch selbst wenn er seine Stimme erhebt und das Richtige sagt, seine Chancen auf das Spitzenamt bei der EZB sind geschrumpft. Zwar galt seine Ernennung vor kurzer Zeit noch als fast sicher, doch das politische Gewicht innerhalb Europas hat sich von Deutschland auf Frankreich verlagert. Auslöser waren die umwälzenden Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate.
Weber durch Merkel geschwächt
Merkel hat durch die Niederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen und ihren Alleingang, der die Märkte ins Chaos stürzte, an Einfluss verloren. Sogar US-Finanzminister Timothy Geithner kritisierte öffentlich ihr einseitiges Vorgehen bei ungedeckten Leerverkäufen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dagegen gewinnt an Einfluss. Er hat alles bekommen, was er von der Krise wollte: eine flexiblere EZB, Rettung für die Banken und lockerere Maßnahmen gegenüber südeuropäischen Mitgliedern der Euro-Zone. Ergebnisse zählen.
Selbstverständlich hat Sarkozy ein entscheidendes Wörtchen mitzureden, wenn es um die Nachfolge Trichets geht - und Weber wird nicht seine erste Wahl sein. Andererseits dürfte der vermutliche Favorit Frankreichs, der Chef der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, niemals die Zustimmung der Deutschen erhalten. Zudem gereicht ihm seine Zeit bei Goldman Sachs erheblich zum Nachteil.
Das heißt, Bühne frei für einen Kompromisskandidaten. Ein solcher wäre Nout Wellink, Vorsitzender des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht und Präsident der niederländischen Zentralbank. Die Glaubwürdigkeit der EZB ist schwer angeschlagen. Deshalb sollten Europas politische Führer eine Person aussuchen, die nicht polarisiert und beim Engagement für Währungsstabilität "deutscher als die Deutschen" ist.

Teil 2: Angst vor deutschem Präsidenten

  • 06.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
Kommentare
  • 07.06.2010 11:06:40 Uhr   Issing: Plumpe Stimmungsmache gegen Weber

    Liebe FTD und "Herr" Melvyn Krauss, dass sie den Bilderberger zum neuen EZB-Präsident machen wollen ist doch klar. Vertreten Sie doch beide (FTD und Melvyn Krauss) die anglo-amerikanische Finanzinteressen, die auch in Frankreich sitzen, Rothschild und co. Einfach BILD-Zeitungsniveau.. FTD war ist und bleibt ein trojanisches Pferd der Hochfinanz.

  • 06.06.2010 19:27:21 Uhr   richard h. holzhütter: EZB & Weber
  • 06.06.2010 18:25:04 Uhr   Frederik: Die FED hat jede Glaubwürdigkeit verloren
  • 06.06.2010 16:24:27 Uhr   ferdinand: nout wellink, gerade bei den bilderbergern......
  • 06.06.2010 14:15:09 Uhr   padoev1920: Axel Weber EZB/BuBa
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