Griechenland und Irland sind bereits gefallen. Jetzt nehmen die Märkte neben Portugal, Spanien und Italien auch Belgien ins Visier. Ein Überblick über die Sorgenkinder.
Nach Griechenland muss mit Irland ein zweiter Euro-Staat mit Geld der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt werden. Damit haben bereits zwei der fünf hoch verschuldeten Piigs-Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien den Offenbarungseid abgelegt.
Nun wird an den Märkten spekuliert, wer als Nächstes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss. Als Kandidaten werden die Piigs-Mitglieder Portugal, Spanien und Italien gehandelt sowie immer häufiger auch Belgien, das am Montag allerdings ohne Probleme 2 Mrd. Euro am Kapitalmarkt einsammeln konnte. Belgien hat nach Griechenland und Italien die höchste Schuldenquote in der EU.
Auch die Sorgen um Spanien wachsen. Zwar hält Ministerpräsident José Luis Zapatero es für "absolut ausgeschlossen", dass sein Land auf Hilfen der Europäischen Union angewiesen sein könnte. Doch viele Experten sind sich da nicht mehr so sicher - obwohl sich die Finanzlage Spaniens stark von der Griechenlands und Irlands unterscheidet.
Nachfolgend ein Überblick über die wirtschaftlichen Aussichten der neuen Sorgenkinder. Reuters, FTD
Bruttoinlandsprodukt Das BIP wird nach Prognose der EU-Kommission 2011 um ein Prozent schrumpfen und 2012 um 0,75 Prozent wachsen.
Defizit Die Regierung hat die Mehrwertsteuer angehoben und Sozialleistungen gekürzt. Dadurch wird das Staatsdefizit 2011 auf 4,9 Prozent fallen und 2012 mit 5,1 Prozent ähnlich hoch ausfallen. Für 2010 werden noch 7,3 Prozent erwartet. Die Gesamtverschuldung dürfte bis 2012 auf 92 Prozent des BIPs steigen, 2010 sind es etwa 83 Prozent. Erlaubt sind 60 Prozent.
Bruttoinlandsprodukt Spanien kommt nach Vorhersage der EU-Kommission nur ganz langsam aus der Krise. Für 2011 wird ein Wachstum von 0,75 Prozent erwartet, das 2012 auf 1,75 Prozent steigen soll. Von Mitte der 90er-Jahre bis 2007 waren es im Schnitt mehr als 3,5 Prozent.
Defizit Zwar dürfte das Staatsdefizit 2011 auf 6,4 Prozent sinken, 2012 aber mit 5,5 Prozent noch deutlich über der EU-Obergrenze von drei Prozent verharren. Immerhin: Seit 2009 hätte sich das Defizit damit aber mehr als halbiert.
Bruttoinlandsprodukt Etwas mehr als ein Prozent Wachstum pro Jahr traut die EU-Kommission der drittgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums zu. Italien lebt vorwiegend vom Export, der sich auf die anderen Euro-Länder konzentriert. Dadurch profitiert Rom nicht im vollen Umfang von den hohen Wachstumsraten der Schwellenländer.
Defizit Es dürfte bis 2012 auf 3,5 Prozent schrumpfen. Allerdings: Die Gesamtverschuldung dürfte dann mit rund 120 Prozent immer noch doppelt so hoch sein wie erlaubt.
Bruttoinlandsprodukt Das BIP dürfte bis 2012 um je rund zwei Prozent relativ robust wachsen, weil Belgien vom Aufschwung seines wichtigsten Handelspartners Deutschland profitiert. Geringes Produktivitätswachstum und höhere Verdienste haben die Lohnstückkosten seit 2005 aber schneller steigen lassen als im Euro-Raum.
Defizit Das Staatsdefizit wird von 2010 bis 2012 zwischen 4,6 und 4,8 Prozent verharren. Die Staatsverschuldung dürfte bis dahin auf 102,1 Prozent des BIPs steigen.
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