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10.09.2011, 00:31
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EZB-Chefvolkswirt:
Schäuble lässt Starks Nachfolge offen
Wird es Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen? Wir warten erstmal ab und beraten, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts löst ein den Märkten heftige Bewegungen aus - bis an die Wall Street.
von Kai Makus, Hamburg
Die Bundesregierung will zügig einen geeigneten Nachfolger für Jürgen Stark bei der Europäischen Zentralbank (EZB) präsentieren. Das sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Freitag in Marseille nach einem Treffen der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs. "Die Bundesregierung wird zügig eine geeignete Persönlichkeit für die Nachfolge vorschlagen."
Namen nannte Schäuble nicht. Die Entscheidung eile aber nicht, da Stark erst Ende des Jahres von seinem Amt als EZB-Chefvolkswirt zurücktreten werde. Zunächst werde man mit dem Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, sowie den anderen Euro-Ländern sprechen. Dann würden die Chefs der Euro-Länder entscheiden, sagte Schäuble.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)
Zuvor hatte Stark angekündigt, seinen Posten bei der EZB aufzugeben. Er werde indes im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei. Dass könnte sich bis Jahresende hinziehen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte als erstes von dem bevorstehenden Abgang berichtet und den Namen von Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen als Nachfolger ins Spiel gebracht. Asmussen war bereits Staatssekretär unter Peer Steinbrück (SPD) in der großen Koalition und wurde von dessen Nachfolger Schäuble trotz SPD-Parteibuch übernommen.
Stark ist nach dem früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber der zweite Deutsche, der ein einflussreiches Amt in der Frankfurter Notenbank sausen lässt. Wieder ist der Grund offenkundig der tiefe Riss, der die EZB-Führung angesichts der Euro-Krise durchzieht - auch wenn er selbst "persönliche Gründe" angibt: Stark hatte sich ebenso wie Weber vehement gegen den Aufkauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder ausgesprochen. Durch die Käufe am Sekundärmarkt hatte die Notenbank unter anderem Italien und Spanien entlastet, die in den Strudel der Griechenland-, Portugal- und Irland-Probleme zu geraten drohen.
Die wichtigsten Offiziellen der europäischen Geldpolitik hüllten sich nach der Rücktrittsankündigung zunächst in demonstratives Schweigen: Weder der Nachfolger
Jean-Claude Trichets an der Spitze der Notenbank, der Italiener Mario Draghi, noch der Chef der Eurogruppe Juncker, äußerten sich zu dem Rücktritt.
Einer der letzten Falken
Dass mit dem 63-jährigen Stark einer der letzten Falken - die Raubvögel stehen im Zusammenhang mit Notenbankern für Verfechter einer straffen Geldpolitik, die Inflation verhindern will - geht, setzte dem
Euro am Freitagnachmittag erheblich zu: Zum Dollar gab die Gemeinschaftswährung 1,6 Prozent ab und fiel auf 1,336 Dollar. Zuvor hatte sie die Marke von 1,37 Dollar das letzte Mal Mitte Februar unterschritten. In den vergangenen Wochen hatte sich der Wechselkurs der beiden Devisen trotz heftiger Turbulenzen an den Märkten in einem engen Band etwa zwischen 1,40 Dollar und 1,45 Dollar bewegt.
Hintergrund ist die Suche der Investoren nach Sicherheit: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel zeitweise auf ein Allzeittief von 1,894 Prozent. Bei Anleihen bewegen sich Renditen und Kurse entgegengesetzt, so dass eine fallende Verzinsung Käufe der Papiere signalisiert. Auch deutsche Staatsanleihen waren gesucht: Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zeitweise auf einem Rekordtief von 1,77 Prozent. Der Bund-Future stieg um 110 Basispunkte auf 137,53 Prozent. Auch französische Staatspapiere waren gesucht.
Weil der Streit um den EZB-Kurs aber auch die gesamte Währungsunion gefährden könnten, schossen die Risikoprämien für italienische Staatsanleihen in die Höhe. Die Renditen von Zehnjahrespapieren stiegen zeitweise um 0,2 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent. Auch die Renditen spanischer Zehnjahresläufer zogen an und kletterten um 0,1 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent. Spanien gilt wie Italien in der Euro-Krise als Wackelkandidat, der bei einem weiteren Anstieg der staatlichen Refinanzierungskosten umfallen könnte.
Die
Gold -Notierung blieb dagegen stabil und pendelte um die Marke von 1860 Dollar. Die Schwäche der Gemeinschaftswährung trieb den Preis des Edelmetalls in Euro jedoch auf ein neues Rekordhoch: Zeitweise kostete die Feinunze (31,1 Gramm) bis zu 1356,69 Euro.
Dagegen trennten sich die Anleger scharenweise von Dividendenpapieren: Der
DAX schloss mit einem Minus von 4,0 Prozent bei 5190 Punkten. Auch der europäische
Stoxx 50 kam unter die Räder und verlor gut vier Prozent. Der italienische Leitindex in Mailand stürzte sogar um fast fünf Prozent ab.
Sorgen auch jenseits des Atlantiks
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FTD.de, 10.09.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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