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Merken   Drucken   18.10.2012, 20:08 Schriftgröße: AAA

EZB: Draghi sucht die Sprache des Vertrauens

Der Chef der Europäischen Zentralbank buhlt um das Vertrauen der Bundesbürger. Eine Deutsch-Französin soll ihm zu einer besseren Kommunikation verhelfen.
von Frankfurt

Im Ringen um die Deutungshoheit über ihren Kurs in der Euro-Krise will die Europäische Zentralbank (EZB) Christine Claire Graeff als neue Kommunikationschefin verpflichten. Nach FTD-Informationen aus Notenbankkreisen baut EZB-Chef Mario Draghi auf die Hilfe der 39-jährigen Deutsch-Französin, um die Krisenpolitik der Notenbank zu erklären und die Meinungsbildung gerade in der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr allein der Bundesbank zu überlassen.

Graeff, bisher Partnerin bei der Kommunikationsagentur Brunswick, setzte sich am Donnerstag aus einer engeren Auswahl von mehreren Kandidaten durch. Stimmt der EZB-Rat der Personalie zu, soll Graeff demnächst als Generaldirektorin im Frankfurter Eurotower einziehen.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank   Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank

Auf die neue EZB-Kommunikationschefin wartet eine schwierige Aufgabe: Nicht zuletzt seit dem umstrittenen Beschluss des EZB-Rats vom September, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenstaaten aufzukaufen, ist das Vertrauen der Deutschen in die EZB als Hüterin der Geldwertstabilität angekratzt. Draghi ist bewusst, dass die Euro-Rettung ohne die Zustimmung der deutschen Öffentlichkeit und Politik nicht gelingen kann. Deshalb will er kommende Woche auch den Bundestag besuchen und dort um das Vertrauen der Abgeordneten werben.

Nach einer Umfrage für das Magazin "Stern" vom September haben 42 Prozent der Bürger kein oder nur geringes Vertrauen in den Italiener. Lediglich 18 Prozent der Bürger schätzen ihn. Dagegen genießt die Deutsche Bundesbank hohes Ansehen in der Bevölkerung, ebenso ihr Präsident Jens Weidmann, der gegen das Anleihekaufprogramm war und häufig vor den Inflationsgefahren durch die lockere Geldpolitik warnt.

In der Krisenkommunikation hat Graeff Erfahrung: Die heute 39-Jährige hat nach dem Berufsstart bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson seit 2001 als Partnerin das deutsche Büro von Brunswick in Frankfurt aufgebaut und Finanzunternehmen beraten, etwa bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank . Den Versicherer Ergo hat sie nach den peinlichen Enthüllungen über Sexeskapaden von Vertretern beraten.

Graeff ist in der hiesigen Medienwelt vernetzt und spricht Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch - für Draghi eine wichtige Einstellungsvoraussetzung, da sie die Außendarstellung der EZB nicht nur in Deutschland, sondern in allen Euro-Staaten steuern muss. In Krisenländern wie Griechenland und Spanien ist die Wahrnehmung der EZB gegensätzlich zu der in Deutschland. Vielen Kommentatoren dort gilt die Euro-Notenbank nicht als williger Retter in der Krise, sondern als zu zögerlich und zu hart in ihren Bedingungen für Interventionen an den Finanzmärkten.

Mit der Personalie vollziehen Draghi und sein für Personal zuständiger Chefvolkswirt Peter Praet einen Wandel im Kommunikationsstil der Euro-Notenbank. Der bis vergangenen Herbst amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vertraute allein auf die Wirkung seiner eigenen öffentlichen Äußerungen. Von Hintergrundgesprächen mit Journalisten und Akteuren an den Finanzmärkten hielt Trichet nicht viel. Draghi dagegen will solche Kommunikationskanäle stärker nutzen.

  • Aus der FTD vom 19.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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