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Merken   Drucken   03.11.2011, 15:08 Schriftgröße: AAA

EZB-Leitzinssenkung: Bravo, Präsident Draghi!

Der neue EZB-Präsident und sein Rat haben gezeigt, dass sie in der Krise das Heft des Handelns in der Hand haben - anders als die Politiker. Deshalb verdient Mario Draghis Paukenschlag zum Auftakt seiner Amtszeit höchsten Respekt.
© Bild: 2011 Reuters/KAI PFAFFENBACH
Kommentar Der neue EZB-Präsident und sein Rat haben gezeigt, dass sie in der Krise das Heft des Handelns in der Hand haben - anders als die Politiker. Deshalb verdient Mario Draghis Paukenschlag zum Auftakt seiner Amtszeit höchsten Respekt. von Wolfgang Proissl 
Professionelle Marktbeobachter und Kommentatoren waren sich einig: Mario Draghi kann nicht bei der ersten Sitzung der Europaeischen Zentralbank (EZB) unter seiner Präsidentschaft die Zinsen senken. Ein Italiener muss sich vielmehr insbesondere gegenüber den skeptischen Deutschen als Inflationsfalke profilieren, war die einhellige Meinung, sonst schwindet das Vertrauen in den Euro und dem neuen obersten Währungshüter noch weiter.
Die EZB-Zinssenkung ist...

 

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Draghi hat sich von solchen vordergründigen taktischen Erwägungen nicht beeindrucken lassen - und das völlig zu Recht. Die Euro-Zone steht am Abgrund, im Griechenland-Chaos verlieren die Märkte endgültig das Vertrauen in die Politiker der Länder der Währungsunion, und die jüngsten makroökononischen Daten lassen eine Rezession in Euroland als realistisches Szenario erscheinen.
Deshalb ist richtig, dass der neue EZB-Präsident mit der Absenkung des Leitzinses von 1,5 Prozent auf 1,25 Prozent Führung zeigt und nebenbei demonstriert, dass sich in der Krise zumindest die Notenbank als handlungsfähiger Akteur erweist. Dieses psychologische Signal hat möglicherweise größere Bedeutung als die Absenkung.
Pragmatismus ist Draghis Leitmotiv in der Krise. Vermeintliche Lehrbuchweisheiten über geldpolitische Prinzipien greifen in der aktuellen, beispiellosen Krisensituation nicht. Das gilt für die aktuelle Zinsentscheidung, das gilt aber auch für mögliche schwierige Beschlüsse zu einer Ausdehnung des Aufkaufprogramms für Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder. Leitprinzip muss sein, die Euro-Zone vor dem Absturz in die Rezession zu bewahren und das Überleben der Gemeinschaftswährung zu sichern.
Draghi und seine Kollegen im EZB-Rat haben mit dem Zinsschritt bewiesen, dass sie den aktuellen Herausforderungen gewachsen sind. Respekt, Herr Draghi! Bleibt zu hoffen, dass sich auch die Politiker der Euro-Zone endlich auf der Höhe der Herausforderungen zeigen und das Ihrige zum Fortbestand der Währungsunion tun.
 

Zur Infografik: Draghis langer Weg nach ganz oben

  • FTD.de, 03.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 04.11.2011 09:55:46 Uhr   Jeder: Jeder kann alles werden

    Der Wandel der EZB hin zu einer Europa Finanzierungsbehörde mit dem ehemaligen Goldman Sachs Boss Draghi ist unverkennbar. Dank der unglaublich unfähigen deutschen Regierung (seit den 90er) wurde verpasst, dass die zahlenden Mehrheit Kerneuropas den Kurs vorgibt, was logisch wäre. Jetzt kann uns ein italienischer EZB Präsident und ein griechischer Ministerpräsident sagen wo es in der Fiskalpolitik lang geht. Und wenns brenzlich wird: bloss keine Demokratie wagen und bloss nicht den Souverän fragen, denn alle wissen was das Volk, der grosse Lümmel, denkt... aber unsere Steuern (und damit unsere Arbeits- und Lebenszeit) wollen sie ALLE haben!

  • 04.11.2011 09:08:24 Uhr   Bagoglu: Politische Zentralbank
  • 03.11.2011 20:13:39 Uhr   Dirk: Lustig, wenns nicht so traurig wäre
  • 03.11.2011 17:45:59 Uhr   Gerold Schwarz: Parallelwelten
  • 03.11.2011 17:07:48 Uhr   Corleone: lasst es wie ein Unfall, äh Zinsschtritt, au...
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