Die EZB rechnet für 2006 mit einem höheren Wachstum
Die Unsicherheit darüber, wann und in welchem Umfang die in einigen Ländern angedachten Strukturreformen umgesetzt würden, könne zu einer anhaltenden Dämpfung des Verbrauchervertrauens geführt haben, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten EZB-Monatsbericht für November. Hinzu kämen eine Reihe negativer Schocks wie die Euro-Aufwertung und der hohe Ölpreis.
Zudem gebe es Anzeichen dafür, dass das Wachstum in den vergangenen Jahren niedriger ausgefallen sei als in den beiden vorhergegangenen Jahrzehnten. Schließlich müsse berücksichtigt werden, dass die konjunkturelle Abschwächung im Vorfeld der gegenwärtigen Aufhellung nicht sehr ausgeprägt war.
Die EZB bekräftigte ihre Erwartung, dass sich das Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte diesen Jahres beschleunigt habe: "Dies ist sowohl den im September von Experten der EZB erstellten Projektionen als auch den jüngsten Prognosen internationaler und privater Organisationen zu entnehmen."
Investitionen steigen weiter
Für das Gesamtjahr reduzierten die Volkswirte jedoch ihre Erwartungen. In der vierteljährlichen Expertenumfrage der EZB rechnen die Volkswirte im Schnitt mit nur noch 1,3 Prozent Wachstum nach 1,4 Prozent in der August-Befragung. Im kommenden Jahr sollte sich das Wachstum dann leicht auf 1,7 Prozent beschleunigen; im August waren noch 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum von den Experten erwartet worden. Für 2007 rechnen die Volkswirte dann weiter mit zwei Prozent Wachstum.
Bei den Investitionen in der Euro-Zone rechnet die EZB mit einem weiteren Wachstum. Zum einen dürften die niedrigen Zinsen die Investitionen stützen, heißt es in dem Bericht. Außerdem deuteten das robuste Wachstum der Unternehmensgewinne und der Anstieg der Vertrauensindikatoren darauf hin, dass sich die allmähliche Erholung der Investitionstätigkeit fortsetzen dürfte.
Unter Hinweis auf die Besserung des Vertrauensindikators der EU-Kommission für die Industrie sowie den Anstieg bei Einkaufsmanagerindex und Investitionsgüterproduktion schreiben die Volkswirte weiter: "Insgesamt deuten die jüngsten Daten und Umfrageergebnisse für die zweite Jahreshälfte 2005 auf ein beschleunigtes Wachstum der
Investitionen hin."
Ölpreis belastet Investitionen im Fahrzeugbau
Die Verlangsamung des Investitionswachstums von 1,8 Prozent im ersten Halbjahr auf 0,7 Prozent im zweiten Halbjahr 2004 führte die Zentralbank vor allem auf den Rückgang im Fahrzeugbau zurück, zu dem wohl auch das teure Öl beigetragen habe. Die EZB-Volkswirte werten den Anstieg des Vertrauensindikators der EU-Kommission für das Baugewerbe als positives Indiz für die Investitionsentwicklung in diesem Sektor.
Ihre deutlichen Warnungen vor Inflationsgefahren bekräftigte die EZB dagegen. Der binnenwirtschaftliche Inflationsdruck halte sich zwar nach wie vor in Grenzen, wegen der hohen Energiepreise seien allerdings "deutliche Aufwärtsrisiken" zu berücksichtigen und große Wachsamkeit geboten. Das Zinsniveau bezeichneten die Währungshüter als "immer
noch angemessen".
Auf kürzere Sicht rechnet die EZB damit, dass die Jahresinflationsrate über der Marke von zwei Prozent bleibt. Bis zu dieser Grenze sehen die Währungshüter Preisstabilität - ihr oberstes Ziel - gewährleistet. Im Oktober lag die Teuerungsrate in den zwölf Ländern der Euro-Zone bei 2,5 Prozent nach 2,6 Prozent im September.
Zinserhöhung ist nur noch eine Frage der Zeit