"Wir sind seit 20 Jahren in der Rezession", korrigiert Vagelis Lambakis, der Bürgermeister. 20 Jahre Abschwung, damit meint er: Seit die europäische Agrarpolitik die Landwirtschaft hier im Norden Griechenlands weggefegt hat, die Baumwollfarmer, Obst- und Getreidebauern. Es ist eine Klage, die man immer wieder in der Hafenstadt hört: "Europa hat uns Geld fürs Nichtstun gegeben." Die Subventionspolitik, die das Nicht- und Wenigproduzieren belohnt, setzte Anreize zum Tricksen und zum Selbstbetrug.
"Und jetzt ist Schluss", sagt Lambakis, ein hagerer Mann mit Augenringen. "Die finanziellen Korrekturen dauern vielleicht fünf Jahre, aber wenn wir Griechen zusammenarbeiten, können wir schon morgen anfangen, ein neues Land aufzubauen. Griechen sind schlau." Diese Botschaft ist es, die er den 66.000 Einwohnern von Alexandroupoli einhämmert. Lambakis ist der Bürgermeister der Krise, als Parteimann der konservativen Nea Dimokratia Ende 2010 gewählt, zwischen dem ersten und dem zweiten Hilfskredit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF).
Bei 25 Prozent steht die Arbeitslosenrate in Alexandroupoli mittlerweile. Auf der Hauptstraße Leoforos Dimokratias stehen die Verkäufer in den Boutiquen und warten vergeblich auf Kundschaft. Die Restaurants sind leer, die Cafés nur morgens gefüllt - mit Rentnern und Arbeitslosen. 2,30 Euro für einen Kaffee und zwei Stunden in der Tasse rühren.
"Die Leute sind traurig", sagt eine Lokalreporterin. Sie selbst hat seit drei Monaten kein Gehalt mehr bekommen, die Zukunft ihrer Zeitung ist unsicher. "Ich bin 45 Jahre alt und lebe von der Pension meiner Mutter", erzählt sie. Das ist kein Einzelfall, sondern häufig in Alexandroupoli. "Die alten Leute sind oft die einzigen, die noch ein Einkommen haben", bestätigt eine Apothekerin. "Viele geben ihre Wohnungen auf und ziehen zurück zu den Eltern."