Am ersten Tag aus dem Flugzeug der Blick auf die Konturen Maltas. Zwei Wochen später ziehen die Kiefernwälder Osteuropas am Zugfenster vorüber, am Ende die menschenleeren Ostseestrände des Baltikums. Aber bis dahin: Menschen, Menschen, Menschen.
Den Künstler treffen sie in einem Café in Bratislava. Wie sieht ein typischer slowakischer Künstler aus? Boris Ondreicka trägt T-Shirt, Jeans und Turnschuhe. Oft sei er im Ausland, sagt er, zumeist in Berlin und Wien. Ein Kosmopolit. "Der Ostblock ist aus Sicht des Westens ein ferner, exotischer Dschungel geblieben, in dem es schlimme Abenteuer zu erleben gibt", sagt er. "Durch die EU-Erweiterung aber merkt der Westen plötzlich, dass diese Länder gar nicht so spektakulär sind, sondern ganz normal."
Ganz normal: Ob in Valletta oder Riga, Mädchen mit blondierten Strähnen wippen im Rhythmus von Didos "Life for Rent". Der "Da Vinci Code" steht auf jeder Bestsellerliste. Die Züge sind pünktlich, die Busse auch, am Hotelempfang zahlt der Kunde, bevor er auf das Zimmer darf. Die neuen Mitglieder der Union sind schon längst in Europa angekommen.
Dabei gibt es durchaus noch einiges zu entdecken: in Litauen etwa, dass Schweineohren, in Scheiben geschnitten, gebraten und mit knusprigen Knorpeln viel besser schmecken, als es sich anhört. Die tiefschwarze Blutwurst Estlands werden Lehne und Hönighaus auch nicht mehr vergessen. Und ein großes Glas Bier kostet im Durchschnitt nur 1,50 Euro.
Alles lief also glatt. Nun gut, nicht alles. Auf Zypern hatten Lehne und Hönighaus nur einen Tag Zeit für 100 Fotos. Von 6 Uhr morgens an griffen sie in Larnaka und Nikosia Passanten ab. "Sprechen Sie Deutsch - do you speak English? We come from ..." Doch die Sonne versank im Mittelmeer, und noch immer fehlten ein gutes Dutzend Fotos. Dann die Rettung: Vor einem Restaurant saß eine Gruppe von Exil-Zyprioten aus London, die sofort verstanden, worum es ging: "Ihr wollt 1000 Fotos von Menschen aus den neuen EU-Ländern auf die Titelseite stellen? Das haben wir gleich." Im Nu wurden Gäste und Belegschaft wortreich verpflichtet. Einer nach dem anderen setzte sich auf den Stuhl, hielt einen Moment lang still. "Whats your name? Thank you ... The next please." Alle Bilder im Kasten.
Etwas Glück gehörte auch dazu. In Budapest goss es wie aus Kübeln, Passanten suchten Schutz vor den aufdringlichen Fragen, versteckten sich hinter ihren Regenschirmen und eilten weiter. Doch wie in vielen Städten fand sich auch hier eine Pfadfinderin: eine junge Frau, die den beiden Reportern Freunde vorstellte und als Dolmetscherin den Weg ebnete.