Afrikanische Flüchtlinge in einem provisorischen Auffanglager in Melilla
Flucht-Odyssee durch die WüsteDie Afrikaner scheinen in ihrer Verzweiflung zu allem entschlossen zu sein. Denn sie haben in der Regel eine wahre Odyssee hinter sich. Sie kommen aus zum Teil extrem armen Ländern wie Nigeria, Kamerun oder Mali. Um den Zaun von Melilla zu erreichen, sind sie häufig monatelang unterwegs und haben - teils als blinde Passagiere, teils zu Fuß - die Sahara, Algerien und Marokko durchquert.
Diejenigen, die es schaffen, die Grenzsperren zu überwinden, können in aller Regel nicht abgeschoben werden. Sie haben meist ihre Papiere vernichtet und geben falsche Heimatländer an. Viele Staaten südlich der Sahara weigern sich zudem, die Ausgewiesenen aufzunehmen. So werden die Flüchtlinge zunächst in einem Auffanglager in der 68.000-Einwohner-Stadt untergebracht, das derzeit völlig überfüllt ist.
Nach einigen Wochen dürfen sie dann meist aufs spanische Festland - und haben damit ihr Ziel erreicht. Im günstigsten Fall erhalten sie eines Tages sogar das Bleiberecht, wenn Spanien - wie schon häufiger geschehen - wieder einmal eine Aktion zur Legalisierung von Ausländern startet.
Streit mit Marokko um Exklaven
Die Lösung des Flüchtlingsproblems ist auch deshalb schwierig, weil sich Spanien und Marokko seit langem um die beiden ursprünglich von Phöniziern gegründeten Städte streiten. Marokko erhebt Anspruch auf die beiden Exklaven, die seit Jahrhunderten zu Spanien gehören. Die Regierung in Madrid will auf sie jedoch nicht verzichten.
Vor drei Jahren eskalierte der Konflikt: Marokko besetzte die vor seiner Küste liegenden, aber von Spanien beanspruchten unbewohnten Petersilien-Inseln. Spanische Soldaten vertrieben wenig später die Besetzer. Erst in den vergangenen Monaten zeichnete sich eine Entspannung zwischen den beiden Ländern ab, die jetzt auch zu einem Gipfeltreffen der beiden Regierungschefs führte.