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Merken   Drucken   07.11.2005, 07:00 Schriftgröße: AAA

"Frankreich ist nicht Deutschland"  

Seit elf Tagen brennen in Frankreich Nacht für Nacht Autos, greifen Jugendliche Polizisten an. Deutsche Politiker warnen jetzt vor ähnlichen Krawallen in Deutschland. Jugendexperten halten solche Befürchtungen jedoch für übertrieben. von Nicolai Kwasniewski, Hamburg
Polizisten sichern den Westen von Paris   Polizisten sichern den Westen von Paris
Der designierte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat angesichts der Unruhen in französischen Vorstädten eine bessere Integration ausländischer Jugendlicher in Deutschland gefordert. Zwar seien die Verhältnisse in Frankreich anders als in Deutschland, "aber auch bei uns entwickeln sich Viertel mit hohem Ausländeranteil, die sich immer mehr von der übrigen Gesellschaft abschotten". Auch Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) befürchtet Deutschland sei "nicht gefeit" gegen Unruhen wie zurzeit in Frankreich. Es gebe "bedenkliche Entwicklungen einer Parallelgesellschaft".
Dieter Rucht, Protestforscher am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung sagte gegenüber FTD-Online dagegen, auf Deutschland lasse sich die Lage nicht übertragen. Diese Form der Trabantenstädte, diese massive Ghettoisierung, das "Abhängen ganzer Viertel", das alles gebe es in Deutschland nicht. Einen entscheidenden Unterschied sieht Rucht in der kolonialen Vergangenheit Frankreichs. Bei den Jugendlichen komme das Gefühl auf, die Vorfahren wurden ausgebeutet und ihnen ergehe es nicht besser.
Auch Christian Pfeiffer vom kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen vermutet, dass es in Deutschland ein Gewaltpotenzial gibt. Angehängt an die Proteste in Frankreich könnten auch hier Krawalle entstehen, sagte er im Interview mit FTD-Online. In der Nacht zum Montag gingen in Bremen und Berlin bereits Autos in Flammen auf. "Andererseits", sagt Pfeiffer, "gibt es hier keine so dummen Innenpolitiker", wie in Frankreich, die noch "Öl ins Feuer gießen". Solange die Politiker in Deutschland vorsichtig bleiben und sich an den Reden von Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin orientieren, der zur Ruhe aufruft, könnte ein Überschwappen der Gewalt nach Deutschland vermieden werden.

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