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Merken   Drucken   06.02.2012, 14:33 Schriftgröße: AAA

Französischer Wahlkampf: Merkel trickst für Sarkozy

Die Bundeskanzlerin steckt im Dilemma. Eigentlich mischt man sich nicht in den Wahlkampf europäischer Nachbarn ein. Sie wünscht sich aber, dass Krisenpartner Sarkozy im Amt bleibt. Also bricht Merkel ein Tabu - und behilft sich dabei mit verbalen Spitzfindigkeiten.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Wolfgang Kumm
Die Bundeskanzlerin steckt im Dilemma. Eigentlich mischt man sich nicht in den Wahlkampf europäischer Nachbarn ein. Sie wünscht sich aber, dass Krisenpartner Sarkozy im Amt bleibt. Also bricht Merkel ein Tabu - und behilft sich dabei mit verbalen Spitzfindigkeiten. von Frauke Ladleif, Berlin
Die Liebe geht unerklärliche Wege. Einst verhöhnte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy seine deutsche Kollegin Angela Merkel als die Dicke, "la grosse". Seit der Eurokrise sind sie das unzertrennliche Paar "Merkozy". Um ihren französischen Partner vor der drohenden Wahlpleite zu retten - und ihn im Amt zu halten -, bricht Merkel nun sogar ein Tabu: Sie macht Wahlkampf in Frankreich. Ihr Trick: Nicht sie als Kanzlerin eilt ihrem Sarkozy zur Hilfe, sondern als CDU-Vorsitzende. So verkündet es nun ihr Sprecher.
Ende April stimmt das französische Wahlvolk über ihren Präsidenten für die kommenden fünf Jahre ab. Aussichtsreichster Kandidat ist der Sozialist Francois Hollande. Er hatte zuletzt angekündigt, den erst kürzlich beschlossenen Fiskalpakt neu zu verhandeln und die Europäische Zentralbank stärker wachstumsorientiert auszurichten. Das hatte innerhalb der CDU für Empörung gesorgt. Merkel werde Sarkozy bei seiner Wiederwahl unterstützen, verkündete CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.
Den ersten Auftritt können nun das französische wie das deutsche Fernsehpublikum am Montagabend verfolgen. Dann geben Merkel und Sarkozy erstmals ein gemeinsames Fernsehinterview, übertragen im ZDF und France 2. Derlei Auftritte sorgen jedoch nicht nur auf Seiten der französischen Sozialisten für Irritationen, die befürchten, Merkels Glanz könne auf Sarkozy abfärben. Hollandes Wahlkampfchef Pierre Moscovici warnte Merkel, sie müsse ihre Neutralität wahren. Auch innerhalb der Koalition in Deutschland stößt das Verhalten auf Kritik. "Die Bundesregierung ist nicht Partei im französischen Wahlkampf", poltert Außenminister Guido Westerwelle (FDP) im "Spiegel".
Im Kanzleramt wiegelt man ab. Westerwelle habe sicherlich nicht die geplanten Auftritte kritisiert, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin. Deutschland sei natürlich keine Wahlkampfpartei in Frankreich. Die Wahlkampfhilfe für Sarkozy sei reine CDU-Angelegenheit - und nicht als Kanzlerin-Einsatz zu verstehen. "Hier geht es um ein persönliches Engagement der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel", sagte Streiter.
Wie genau sie diesen Spagat bei den vielen gemeinsamen Auftritten in den nächsten Tagen und Wochen schaffen will, konnte man heute bei der Pressekonferenz zum deutsch-französischen Ministerrat in Paris beobachten. "Ich unterstütze Nicolas Sarkozy in jeder Facon, weil wir einfach zu befreundeten Parteien miteinander gehören - egal was er tut", sagte sie und fügte augenzwinkernd hinzu. "In Bezug auf die Kandidatur, wollte ich nur sagen."
  • FTD.de, 06.02.2012
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