Wer den Zukurzgekommenen dieser Welt beispringt - Migranten, Behinderten, Frauen -, erntet gewöhnlich Beifall. Selbst dann, wenn er sich bei der Wahl der Mittel so grandios vergreift wie derzeit die niederländische Regierung. Der Ansatz, Unternehmen eine Frauenquote bei der Besetzung von Vorstandsposten vorzugeben, ist ein dirigistisches Instrument aus der Steinzeit der Frauenförderung. Der erhoffte positive Effekt droht sich ins Gegenteil zu verkehren.
Sicher, Frauenförderung in Unternehmen tut not, in den Niederlanden ebenso wie in Deutschland. Es ist offensichtlich, dass etwas schiefläuft, wenn Frauen zwar mehr als die Hälfte der Abiturienten stellen, in Vorständen aber nur mit einem Promilleanteil vertreten sind. Da hilft es auch nichts, auf den Durchmarsch der heutigen Abiturientinnen in die Vorstandsetagen zu warten: Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass männliche Verhaltensweisen eine "gläserne Decke" bilden, die sich nicht von allein auflösen wird.
Doch eine verbindliche Frauenquote, selbst wenn sie nicht mit Sanktionen bewehrt ist wie in den Niederlanden, hat so gravierende Nachteile, dass sie eigentlich nur von ausgemachten Frauenfeinden erwogen werden kann. Denn die Gefahr ist groß, dass unter dem Druck einer Quote minder geeignete Kandidatinnen auf Vorstandsposten landen. Das bestätigt Vorurteile. Und die lasten dann ausgerechnet auf den fähigsten Frauen, deren Leistung einen Vorstandsposten rechtfertigt.
Zumal geeignete Bewerberinnen nicht gerade Schlange stehen. Echte Freunde der Frauenförderung müssen daher früher ansetzen. Hilfreich wäre eine Veröffentlichungspflicht von Frauenanteilen an prominenter Stelle im Geschäftsbericht, konsequente Frauenförderung in Unternehmen, Werbung für technische und kaufmännische Studiengänge an den Schulen, mehr Toleranz für Babypausen und Familienpflichten. Für Unternehmen wird sich das spätestens dann lohnen, wenn der demografische Wandel das Angebot an Fachkräften verknappt.