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Merken   Drucken   26.10.2009, 21:14 Schriftgröße: AAA

Frauenquoten: Falsche Freunde  

Leitartikel Eine Frauenquote für Vorstandsposten schadet nicht nur den Frauen - sondern auch den Unternehmen. Den Zukurzgekommenen beizuspringen ist ein antiquiertes Instrument. Nötig sind vielmehr kreativere Ansätze der Frauenförderung.
Wer den Zukurzgekommenen dieser Welt beispringt - Migranten, Behinderten, Frauen -, erntet gewöhnlich Beifall. Selbst dann, wenn er sich bei der Wahl der Mittel so grandios vergreift wie derzeit die niederländische Regierung. Der Ansatz, Unternehmen eine Frauenquote bei der Besetzung von Vorstandsposten vorzugeben, ist ein dirigistisches Instrument aus der Steinzeit der Frauenförderung. Der erhoffte positive Effekt droht sich ins Gegenteil zu verkehren.
Sicher, Frauenförderung in Unternehmen tut not, in den Niederlanden ebenso wie in Deutschland. Es ist offensichtlich, dass etwas schiefläuft, wenn Frauen zwar mehr als die Hälfte der Abiturienten stellen, in Vorständen aber nur mit einem Promilleanteil vertreten sind. Da hilft es auch nichts, auf den Durchmarsch der heutigen Abiturientinnen in die Vorstandsetagen zu warten: Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass männliche Verhaltensweisen eine "gläserne Decke" bilden, die sich nicht von allein auflösen wird.
Doch eine verbindliche Frauenquote, selbst wenn sie nicht mit Sanktionen bewehrt ist wie in den Niederlanden, hat so gravierende Nachteile, dass sie eigentlich nur von ausgemachten Frauenfeinden erwogen werden kann. Denn die Gefahr ist groß, dass unter dem Druck einer Quote minder geeignete Kandidatinnen auf Vorstandsposten landen. Das bestätigt Vorurteile. Und die lasten dann ausgerechnet auf den fähigsten Frauen, deren Leistung einen Vorstandsposten rechtfertigt.
Zumal geeignete Bewerberinnen nicht gerade Schlange stehen. Echte Freunde der Frauenförderung müssen daher früher ansetzen. Hilfreich wäre eine Veröffentlichungspflicht von Frauenanteilen an prominenter Stelle im Geschäftsbericht, konsequente Frauenförderung in Unternehmen, Werbung für technische und kaufmännische Studiengänge an den Schulen, mehr Toleranz für Babypausen und Familienpflichten. Für Unternehmen wird sich das spätestens dann lohnen, wenn der demografische Wandel das Angebot an Fachkräften verknappt.
  • Aus der FTD vom 27.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 27.10.2009 16:56:02 Uhr   Greta Varnum: Frauenquote für Vorstandsposten

    "...die Gefahr ist groß, dass unter dem Druck einer Quote minder geeignete Kandidatinnen auf Vorstandsposten landen." (Zitat aus dem Artikel)

    Es wundert mich nicht im Macholand Deutschland, daß mal wieder auf die (angeblich fehlende) Qualität und Kompetenz bei Anwendung einer Frauenquote hingewiesen wird.

    Liebe deutsche Machos !
    Wenn wir nach Kompetenz und Fachqualität gehen würden in diesem unserem Deutschland, hätten wir vielleicht zw. 0-1% Männer in den Vorständen (wenn überhaupt !). Ihr Männer wollt ja wohl nicht behaupten, daß Ihr in der Privatwirtschaft und insbes. in der Finanzwirtschaft einen Super-Job geleistet habt ! Das, was Ihr NICHT könnt, können wir Frauen schon lange. Und zwar viel besser !!!

    Es wird endlich Zeit, daß wir Frauen das Steuer übernehmen, um eine menschlichere und gerechtere Wirtschaft zu gestalten, und zwar weltweit !

  • 27.10.2009 11:37:18 Uhr   Strichnid: Rückzugsgefecht
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