Einkaufsmanager verlieren den Optimismus: Der Ölpreis stürzt ab und die EZB-Zinserhöhung bleibt umstritten. Bei der Finanzkrise im Sommer 2008 erfolgte sie zum falschen Zeitpunkt - Kritiker sehen Wiederholungsgefahr. von Martin Kaelble,
Mathias Ohanian, Berlin
und Christian KirchnerFrankfurt
Der Aufschwung im Euro-Raum ist in den vergangenen Wochen deutlich langsamer geworden. Wie Umfragen unter Einkaufsmanagern ergaben, haben vor allem die Folgen des Erdbebens in Japan, der Ölpreisanstieg und die Schuldenkrise in der Euro-Zone die Stimmung gedrückt.
Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Juni von 54,6 auf 52 Zähler. Ohne Deutschland und Frankreich sank der Wert sogar unter die 50-Punkte-Marke - erfahrungsgemäß ein Zeichen für schrumpfende Geschäftstätigkeit. Das teilte das Marktforschungsinstitut Markit am Donnerstag mit.
Absturz: Einkaufsmanagerindex und WTI-Rohöl
Zwar deuten die Ergebnisse noch nicht auf einen ernsteren konjunkturellen Rückschlag im Euro-Raum hin. Experten werten sie aber als erstes Warnsignal, dass die wirtschaftliche Entwicklung anfällig geworden ist. Das stellt die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) infrage: Die Notenbanker hatten angesichts steigender Ölpreise und robuster Konjunkturwerte für übernächste Woche eine weitere Zinserhöhung angekündigt.
Kritiker warnen jedoch davor, dass sie wie im Sommer 2008 zum falschen Zeitpunkt erfolgen könnte. Damals hatte die EZB wegen steigender Ölpreise die Zinsen angehoben, aber den einsetzenden Abschwung unterschätzt.
"Den Fehler von 2008 sollte die EZB nicht wiederholen", warnte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Die Wachstumsverlangsamung in der Euro-Zone in den vergangenen zwei Monaten gebe Anlass zur Sorge. Tatsächlich wuchs die Produktion laut Markit-Erhebung so schwach wie seit 21 Monaten nicht. Gerade die Industrie aber hatte den Aufschwung des Jahres 2010 gestützt.
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