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Merken   Drucken   21.07.2011, 23:06 Schriftgröße: AAA

Gipfel in Brüssel: Das ist der Euro-Rettungsplan

Der Euro-Sondergipfel hat ein neues Programm zur Rettung Griechenlands und zur Hilfe für weitere Staaten beschlossen. Kern ist eine erweiterte Funktion des Rettungsfonds EFSF. Eine Analyse. von Peter Ehrlich  Brüssel
Der Euro-Gipfel hat sich am Donnerstag auf ein neues Notprogramm für Griechenland und Hilfen für weitere Staaten geeinigt. Die wichtigsten Punkte:
Dieses Foto des Bundespresseamts soll ein friedliches Bild des ...   Dieses Foto des Bundespresseamts soll ein friedliches Bild des EU-Gipfels vermitteln
Griechenland braucht von 2012 bis 2014 zusätzlich zum ersten 110-Mrd.-Euro-Rettungsprogramm aus dem vergangenen Jahr weitere 109 Mrd. Euro für fällige Anleihen und neue Schulden. Zudem werden die Laufzeiten bestehender Kredite von 7,5 auf 15 Jahre verlängert und die Zinsen für die Kredite gesenkt - auf künftig rund 3,5 Prozent.
Erstmals beteiligen sich auch Banken und Fonds. Der Beitrag des Privatsektors beläuft sich auf 37 Mrd. Euro bis zum Jahr 2014, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstagabend. Weitere 12,6 Mrd. Euro kommen hinzu, weil griechische Staatsanleihen im Wert von 32,6 Mrd. Euro zurückgekauft, dafür aber nur 20 Mrd. Euro ausgegeben werden - die Papiere also mit Abschlag gekauft werden. Bis 2020 - so lange wird Griechenland vom Kapitalmarkt genommen - beläuft sich die Privatsektorbeteiligung laut Merkel auf 106 Mrd. Euro.
Griechenlands Gesamtverschuldung wird durch das Entgegenkommen der Gläubiger (siehe Privatsektorbeteiligung) nur in begrenztem Umfang gelindert. Entscheidend ist, dass das Land bis etwa 2020 de facto vom Finanzmarkt genommen wird. Durch die Verlängerung der Laufzeiten der Hilfskredite und eines großen Teils der Anleihen sowie durch die Zinssenkungen wird die jährliche Belastung aus dem Schuldendienst für Griechenland erträglicher.
Die europäische Idee wird durch die Schuldenkrise ...

 

Die europäische Idee wird durch die Schuldenkrise ...

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Banken, Versicherungen und anderen Besitzern griechischer Anleihen wird angeboten, ihre Anleihen zurückzugeben oder umzutauschen. Das kann auf verschiedene Weise geschehen.
Im Mittelpunkt stehen drei Modelle eines Umtauschs in Anleihen mit längeren Laufzeiten. Ein Modell sieht vor, dass die neuen Anleihen zum gleichen Nennwert in eine Anleihe mit geringen Zinsen und 30 Jahren Laufzeit umgetauscht werden. Im zweiten haben die neuen Anleihen einen geringeren Nennwert als die alten, dafür sind die Zinsen höher bei ebenfalls 30 Jahren Laufzeit. Im dritten Modell beträgt die Laufzeit nur 15 Jahre, ebenfalls bei einem Abschlag.
Zudem sollen die Gläubiger sich für einen sogenannten Roll-over entscheiden können: Das bedeutet, dass sie ihre alten Anleihen bei Fälligkeit in 30 Jahre laufende neue umtauschen. Jede dieser Konstruktionen führt dazu, dass der sogenannte Gegenwartswert der neuen Anleihe um 20 Prozent unter dem Nominalwert der alten Anleihe liegt.
Ein weiterer Weg ist ein Anleiherückkauf durch Griechenland, wobei dann ein Aufschlag auf den Marktwert gezahlt wird. Das ist für Institute interessant, die lieber mit Verlust ganz aus Griechenland aussteigen wollen.
Die Euro-Staaten rechnen nach den Verhandlungen mit dem Finanzsektor damit, dass von den zwischen 2011 und 2020 fällig werdenden Anleihen 90 Prozent getauscht oder zurückgegeben werden. Der Privatsektor hält 150 Mrd. Euro an bis 2020 fällig werdenden Papieren.
Als zusätzliche Sicherheit für die Anleger, die langfristig in Griechenland-Bonds investieren, soll ein neuer Fonds die Anleihen absichern und die volle Auszahlung nach 30 Jahren garantieren. Diese Absicherung wird über die EFSF von den Steuerzahlern in Euroland garantiert.
Die Ratingagenturen haben signalisiert, dass während der Umtauschaktion die betroffenen Anleihen auf "teilweiser Zahlungsausfall" herabgestuft werden. Die neuen Anleihen würden dann aber wieder besser eingestuft. Der Prozess soll nur einige Tage dauern und könnte im September stattfinden.
Während der Zeit der Ratingabstufung auf "teilweisen Zahlungsausfall" darf die EZB griechische Anleihen nach ihren internen Regeln nicht mehr als Sicherheit akzeptieren. Dies könnte den Finanzsektor in Schwierigkeiten bringen, weil Banken sich über diesen Weg Liquidität beschaffen. Um die Bedenken der EZB zu überwinden, haben die Euro-Staaten sich bereit erklärt, der Notenbank in dieser Zeit das Risiko abzunehmen. Dafür wird der Fonds Geld auf ein Sonderkonto bei der EZB einzahlen.
Die EFSF soll künftig auch vorbeugend handeln dürfen: Staaten, denen ein Angriff vom Finanzmarkt droht, können eine flexible Kreditlinie bekommen, also eine Zusage für die Zukunft. Als Bedingung soll mit dem Land ein Sparprogramm vereinbart werden. Der Trick: Solange der betroffene Staat das Geld nicht abruft, müsste er nur einen Teil der Bedingungen erfüllen. Sinn solcher Kreditlinien, die es ähnlich auch beim IWF gibt, ist, dass sie erst gar nicht benötigt werden.
Als weitere präventive Möglichkeit ist vorgesehen, dass die EFSF Anleihen am Sekundärmarkt kauft. Sie würde in Krisensituationen auf Vorschlag der EZB in den Markt eingreifen, ähnlich wie dies die Zentralbank seit Mai 2010 getan hat. Außerdem ist es künftig möglich, dass die EFSF Geld an die Euro-Staaten für die Rekapitalisierung von deren Banken gibt.
Märkte atmen auf
Risikoaufschläge Die Aussicht auf eine Lösung im monatelangen Gezerre um ein Euro-Rettungspaket hat am Donnerstag die Märkte beflügelt. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Pleitekandidaten Griechenland, Portugal und Spanien verringerten sich. Der DAX schloss im Plus, und der Euro legte zu.
  • FTD.de, 21.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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