Die Regierungen in Berlin und Paris wollen bei der Reform des Euro-Stabilitätspaktes zum großen Schlag ausholen. "Deutschland und Frankreich haben gemeinsam Führung übernommen", sagte Kanzlerin Merkel. "Schon heute ist sicher: Der Stabilitäts- und Wachstumspakt erhält deutlich mehr Biss."
Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wollen dazu den EU-Vertrag ändern. "Das durchzusetzen wird schwer genug", sagte Merkel. Es sei aber notwendig.
Die beiden Länder fordern unter anderem, Verstöße gegen den Pakt künftig mit einem zeitweiligen Entzug der Stimmrechte zu bestrafen. Dafür verzichtete Merkel (CDU) auf einen Automatismus bei der Verhängung von Strafen. "Sanktionen werden künftig früher und schneller verhängt", sagte die Kanzlerin. Nach dem deutsch-französischen Kompromiss soll es weiterhin im politischen Ermessen liegen, Strafen zu verhängen.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte diesen Sinneswandel ursprünglich scharf kritisiert und gefordert Sanktionen nicht der politischen Opportunität zu unterwerfen. Jetzt vertritt er aber Merkels Position.
Berlin und Paris wollen zudem die sogenannte No-Bailout-Klausel abschaffen. Bisher darf die Gemeinschaft Defizitsündern nicht unter die Arme greifen. Die Pakete für Griechenland und den Euro wurden daher als zwischenstaatliche Hilfen deklariert. Merkel will jetzt aber dauerhafte Regeln, die auch mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Der EU-Vertrag soll daher so modifiziert werden, dass ein Eingreifen der Gemeinschaft möglich ist, wenn die Stabilität des Euro in Gefahr gerät. Auch private Gläubiger und Banken sollen bei der Rettung helfen.