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Merken   Drucken   27.10.2011, 05:10 Schriftgröße: AAA

Gipfelmarathon: Banken erlassen Griechen die Hälfte der Schulden

Bis in den frühen Morgen feilschten die Vertreter von Staaten und Geldinstituten, nun steht der Schuldenschnitt für Griechenland. Kanzlerin Merkel ist sich sicher: "Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen."
© Bild: 2011 AFP/ERIC FEFERBERG
Bis in den frühen Morgen feilschten die Vertreter von Staaten und Geldinstituten, nun steht der Schuldenschnitt für Griechenland. Kanzlerin Merkel ist sich sicher: "Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen."
Die Euro-Länder haben mit den Banken einen deutlich höheren Schuldenschnitt für Griechenland ausgehandelt. Der Forderungsverzicht der Banken liege bei 50 Prozent oder 100 Milliarden Euro der ausstehenden griechischen Staatsanleihen, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am frühen Donnerstagmorgen nach dem Euro-Gipfel in Brüssel.
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Die Euro-Staaten würden dazu an Sicherheiten für neue Anleihen 30 Mrd. Euro beisteuern. "Frankreich wollte eine Tragödie verhindern, eine Pleite Griechenlands wäre eine Tragödie gewesen", sagte Sarkozy. Eine Krise wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers werde nun vermieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Die Welt hat heute auf uns geschaut, wir haben gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben."
Merkel sagte, mit den Gläubigern sei das Ziel vereinbart, dass die Verschuldung Griechenlands bis 2020 auf 120 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung gekürzt werde. Es gehe um einen nominalen Haircut von 50 Prozent. Damit steuere der Privatsektor etwa 100 Mrd. Euro bei. Der öffentliche Sektor trage davon wiederum 30 Mrd. Euro als Absicherung neuer Anleihen bei sowie 109 Mrd. Euro an neuen Krediten.
Sarkozy und Merkel hatten sich gemeinsam mit den Chefs der EU-Institutionen in die schwierigen Verhandlungen mit den Banken selbst eingeschaltet. Die Banken hatten sich zunächst gegen einen Schuldenschnitt über 40 Prozent gesträubt. Doch die Euro-Länder bestanden auf mindestens 50 Prozent, damit Griechenland auf lange Sicht seine Schulden wieder alleine bewältigen kann.
Nun lobten die Vertreter der Banken die Lösung: "Wir begrüßen die Ankündigung der Euro-Gruppe, dass sie Europa stabilisieren, das europäische Bankensystem stärken und Griechenlands Reformanstrengungen unterstützen will, " sagte Charles Dallara, der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands Institute of International Finance (IIF).
Der jüngste Bericht der Troika von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hatte das wahre Ausmaß des Schuldendesasters offenbart: Griechenland könne sich frühestens 2021 wieder selbst über die Märkte finanzieren und benötige bis dahin 252 Mrd. Euro zusätzliche Hilfe. Damit Griechenland überhaupt wieder auf die Beine kommen könne, hatte Merkel als Zielmarke einen Schuldenstand von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 genannt.
Die Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF werden nach Worten Sarkozys um den Faktor vier bis fünf gehebelt. "Das Modell ist spektakulär. Das Hauptgeschäft der Banken ist, aus Kapitaleinlagen mehr anzustellen. Das werden wir jetzt auch probieren" sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.
Über das Volumen des öffentlichen Beitrags im zweiten Hilfspaket für Griechenland wurde zunächst nichts bekannt. Ziel der Euro-Länder war es, möglichst wenig über die schon früher angepeilten 109 Mrd. Euro hinauszugehen.
  • FTD.de, 27.10.2011
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