Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos
Wie lange die Krise noch dauern wird? "Fünf bis zehn Jahre", sagen Angeliki Douri und Chrissa Paraschaki, zwei 29-jährige Griechinnen, die schon einige Zeit in Istanbul leben und dort ihre Muttersprache unterrichten. Zu lange jedenfalls, um im Land der Sparzwänge und Straßenproteste auf bessere Zeiten zu setzen. "Meine Eltern waren nicht glücklich, dass ich in die Türkei gegangen bin", erzählt Chrissa. Die Ressentiments gegen den früheren Erzfeind halten sich in den meisten Familien hartnäckig. "Doch inzwischen drängen sie mich, ich soll besser bleiben." Drei Stunden Autofahrt und ein meist leerer Grenzübergang liegen zwischen ihrer Heimatstadt Alexandropolis und Istanbul.
"Es gibt keine Zukunft", meint Angeliki Douri, die aus Santorin stammt. "Die meisten meiner Freunde von der Universität sind arbeitslos und denken ans Auswandern. Sie haben kein Geld und suchen nach Stipendien." Dann kommen sie zu Roggenkamp und dessen Kollegen beim DAAD. Mediziner zum Beispiel, die eine Ausbildung zum Facharzt suchen. In Deutschland fehlen 5000 Ärzte, hatte die Bundesagentur für Arbeit unlängst erklärt und Mediziner aus den verschuldeten EU-Ländern Griechenland und Spanien angesprochen.
"Es ist eine Situation, die uns zugutekommt, die wir aber auch mit etwas Traurigkeit verfolgen", sagt Roggenkamp. "Es sind junge, überdurchschnittlich gute Leute, die alle das Land verlassen." Manche sind auch erst 17 und im letzten Schuljahr. Sie kommen dann meist in Begleitung der Mutter, um sich über das Studium im Ausland zu informieren. Medizin, Jura, Ingenieurwesen - das sind ihre Interessen.