Merken
Drucken
22.02.2012, 07:00
Schriftgröße: AAA
Griechenland:
In Athen regiert die Frustration
Die Griechen fühlen sich nach der Einigung von Brüssel gedemütigt. Der Widerstand gegen den erzwungenen Sparkurs ist ungebrochen.
von Markus Bernath, Istanbul
Athen ist am Dienstagmorgen mit einem Rettungspaket aufgewacht, das bei vielen Griechen Bitterkeit und ein Gefühl der Ohnmacht hinterließ. "Rettung mit Bedingungen" und "Der Preis ist hoch" stand an den Kiosken auf den Titelseiten der Zeitungen.
George Papandreou
Aleka Papariga, die Generalsekretärin der kommunistischen Partei KKE, war die Erste, die sich zu Wort meldete. Sie ließ erwartungsgemäß kein gutes Haar an der Brüsseler Übereinkunft. Europa und die griechische Regierung hätten sich nur Zeit gekauft, sagte Papariga bei einer Pressekonferenz am Parteisitz im Athener Stadtteil Perissos.
Der Bankrott des Landes sei aufgehalten, der Bankrott des griechischen Volkes jedoch nicht. Umfragen zufolge zählen die Kommunisten und die Linkssozialisten vom Bündnis Syriza zu den größten politischen Gewinnern der Krise.
Der frühere Ministerpräsident Giorgos Papandreou zeigte sich dagegen zufrieden mit Schuldenschnitt und neuem Hilfskredit. Seine sozialistische Regierung sei es ja gewesen, die im Oktober vergangenen Jahres die Partner in der EU von der Notwendigkeit eines zweiten großen Rettungspakets überzeugt habe, erklärte Papandreou. Trotz des hohen Preises müssten die Griechen jetzt weiter kämpfen.
Nur mit Widerwillen räumt Papandreou nun seinen Platz an der Spitze der Pasok und sieht die politische Familiendynastie versinken. Im März wird nach einer Wahl an der Basis voraussichtlich Finanzminister Evangelos Venizelos die Führung der am Boden liegenden Partei übernehmen.
Teil 2: Kompetenzen über ganze Politikfelder verloren
-
Aus der FTD vom 22.02.2012
© 2012 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden