Schnell mit Entscheidungen war Merkel noch nie. Mit einem Besuch Griechenlands aber hat sie sich extrem Zeit gelassen: Seit drei Jahren sorgt das Land ganz Europa, wurde gar zur Existenzbedrohung für die Währungsunion.
Dennoch war die Kanzlerin seitdem nie in Griechenland, unverständlicherweise. Diesen Fehler korrigiert sie endlich und begibt sich diese Woche nach Athen. Weniger um sich ein Bild von die Lage des Landes zu machen, dazu müsste sie inkognito durch die Straßen und Cafés ziehen. Sondern um den Griechen zu zeigen, dass sie auf ihrer Seite ist. Diese Auslandsreise ist daher wohl die schwierigste und heikelste ihrer Amtszeit.
Merkel ist ja nicht nur die Regierungschefin des größten EU-Landes, sondern ist das Hasssymbol für die Opfer der sozialen Einschnitte, die Verkörperung des gefühlten Sparkolonialismus. Merkel muss es daher um mehr gehen als um Gespräche mit der Regierung zur aktuellen Lage. Das Land droht sozial wie politisch auseinanderzubrechen. Daran kann Europa aber kein Interesse haben. Die Kanzlerin erwartet von Athen Fortschritte und Einschnitte. Die Griechen erwarten nun zu Recht eine Botschaft.
Als Erstes muss die Kanzlerin zeigen, dass sie nicht die gefühllose Fiskaldiktatorin ist, für die viele Griechen sie halten. Sie muss zeigen, dass sie die Bemühungen des Landes würdigt. Und sie muss zeigen, dass sie sich bewusst ist, wie hart es war, dass Steuern drastisch erhöht oder Renten und Löhne gekürzt wurden.
Als Zweites muss sich die Kanzlerin für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone aussprechen- und sich damit unmissverständlich von ihrem Vizekanzler Philipp Rösler und ihrem Koalitionspartner CSU distanzieren. Merkel muss endlich den Eindruck zerstreuen, dass sie innenpolitische Interessen über die Europas stellt.
Und schließlich muss die Kanzlerin in Athen zeigen, dass die Anstrengungen nicht umsonst sind. Indem sie dem Land etwas mehr Zeit zugesteht, die Sparauflagen zu erfüllen.
Völlig befrieden kann sie die Griechen nicht. Dazu ist die Lage zu aufgeladen und desolat. Aber die könnte helfen, diese Menschen mit der EU und ihren Auflagen zu versöhnen. Die Euro-Zone zu retten geht nur mithilfe der betroffenen Bevölkerung - nicht gegen sie. Um sie dafür zu gewinnen, wird ein Besuch nicht ausreichen. Aber es ist ein Anfang.
aber könnte die FTD sich auch dazu durchringen Argumente für diese Position zu liefern und die der Gegner, etwa von Sinn, zu entkräften?