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Merken   Drucken   15.06.2011, 21:55 Schriftgröße: AAA

Griechenland: Unfair, aber notwendig

Leitartikel Es hat etwas Paradoxes: Am Anfang der Euro-Krise steht der laxe Umgang der Griechen mit ihren Finanzen. Doch ausgerechnet der (noch) aktuelle griechische Regierungschef Giorgos Papandreou strahlt derzeit als einziger Held aus dem Schlamassel heraus.
Für die Fehlentwicklungen der Vergangenheit kann man Papandreou nicht direkt verantwortlich machen, weil seine Partei erst im Oktober 2009 an die Macht gekommen ist. Seit Ausbruch der Schuldenkrise hat der Sozialdemokrat so ziemlich alles getan, was die Europäer und der Internationale Währungsfonds (IWF) von ihm verlangt haben - für sein eigenes Volk offensichtlich zu viel.
Der griechische Premierminister George Papandreou   Der griechische Premierminister George Papandreou
Mit der nun von Papandreou angekündigten Umbildung des Kabinetts zu einer Regierung der "Nationalen Einheit" erfüllt er die letzte Bedingung, die Europa ihm abverlangt hat: für einen nationalen Konsens bei den auferlegten Sparprogrammen zu sorgen. Fachlich hat wahrscheinlich ohnehin keiner bessere Voraussetzungen, Griechenland aus dem Sumpf zu ziehen. Aber politisch umsetzen können sein Programm augenscheinlich nur alle zusammen. Auch die Opposition muss die Einschnitte mittragen.
Gerecht wäre das. Die griechischen Konservativen haben es sich während der gesamten Krise verdammt leicht gemacht. Den weltläufigen Papandreou haben sie als Büttel von IWF und EU-Kommission gebrandmarkt - ohne jemals ein Alternativkonzept zur Lösung der heimischen Probleme zu präsentieren. Auch die Konservativen wissen, dass sie als Bittsteller den europäischen Steuerzahlern nicht die Bedingungen diktieren können, zu denen sie gerettet werden. Sie wollten sich bisher nur nicht selbst die Hände schmutzig machen.
Mit einem Rücktrittsangebot hätte Papandreou die einzige Methode gewählt, die Opposition in die Verantwortung zu nehmen. Mit seinem Plan, sie am Regieren zu beteiligen, zwingt er sie mit ins Boot. Als Teil einer Einheitsregierung muss sie nun den Kurs mittragen oder das Land pleitegehen lassen - das schlechteste aller Szenarien für die Griechen.
Über kurz oder lang ist das Bauernopfer Papandreou aber wohl unvermeidlich. Eine Regierung, die so radikal spart wie derzeit die Krisenländer der Euro-Zone, wird abgewählt. Das hat schon die Wahl in Portugal vor zehn Tagen bewiesen.
  • Aus der FTD vom 16.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 22.06.2011 03:00:50 Uhr   Fritz Waldorf: BANKAKTIVA 30.Bill EUR (FTD,Das Kapital)

    Soviel zur wiedermaligen mit blauem Augenaufschlag proklamierten "Alternativlosigkeit" einer "freiwilligen Beteiligung" der "privaten" Gläubiger an weiteren Rettungsschirmen (die Zahlen relativieren aber auch ggf. die bisherige Merkelsche "ultima ratio" Heranziehung nur der Steuerzahler zur dauernden unbegrenzten Rettung der Banken!):

    FTD, 20.6.11 - Das Kapital - "Diese Bankenschonung ist alternativlos" (Achtung: Satire!)
    (http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:das-kapital-diese-bankenschonung-ist-alternativlos/60067338.html)

    "Die ***Banken im Euro-Raum*** haben *AKTIVA* von mehr als *** 30.000 Mrd. *** Euro.
    Allein im ***Finanzsektor*** des MSCI Europa sind zuletzt ***Dividenden von 40 Mrd.*** Euro geflossen.
    Aber wehe, die Griechen kosten die Branche auch nur einen Cent."

    FTD sollte doch die kompetenteste und böserweise strikt offene Artikelreihe "Das Kapital" noch gründlicher und tiefer im PREMIUM-Bereich vergraben, wo sie noch dann 2 Leser je lesen, sonst stören solche ausnahmsweise realitätsbezogenen Offenbarungen den regierungstreuen Lyragesang von Fricke und Münchau!

    Sehr zu empfehlen sind auch Artikel u.a. aus der Reihe "Das Kapital":

    1. 20.03.2011: "Falls Europas Staatschefs Geld brauchen sollten"
    (http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-falls-europas-staatschefs-geld-brauchen-sollten/60030054.html)

    2. 07.04.2011: "Unternehmensgewinne hui, Firmeninvestitionen pfui"
    (http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-unternehmensgewinne-hui-firmeninvestitionen-pfui/60036412.html)

    3. 15.06.2011: "China sammelt deutsche Firmen"
    (http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:uebernahmen-china-sammelt-deutsche-firmen/60065252.html)

    4. 16.06.2011: "Schiessübung der Chinesen"
    (http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:agenda-schiessuebung-der-chinesen/60065170.html)

    5. 15.05.2011: "Wirtschaft braucht qualifizierte Zuwanderer"
    (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:weise-wirtschaft-braucht-qualifizierte-zuwanderer/60052446.html)

    Alles wird gut! :)

  • 16.06.2011 18:18:20 Uhr   xaver unertl: Nicht zu retten
  • 16.06.2011 17:11:59 Uhr   Klaus: unfair ?
  • 16.06.2011 09:52:35 Uhr   Joe Bartsch: Gerecht wäre...
  • 16.06.2011 09:04:07 Uhr   Alex: Gut erkannt.
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