Merken
Drucken
22.06.2009, 12:25
Schriftgröße: AAA
Grönland:
Dubai der Arktis
Unter dem Eis Grönlands schlummern reiche Erzvorkommen. Vor der Küste werden gewaltige Ölreserven vermutet. Mit der Loslösung von Dänemark will die Insel diesen Reichtum nun selbst genießen.
von Elmar Jung (Nuuk)
Noch liegen die Holzkisten, Metallstangen und Schrauben unordentlich herum. Sobald die Geologen die Einzelteile zur Bohranlage zusammengesetzt haben, wollen sie ein neues, bis zu 300 Meter tiefes Loch in den Felsen treiben. Der grönländische Konzern Nuna Minerals sucht nach Gold, und das Qussuk-Gebiet 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Nuuk erscheint vielversprechend.
Die Arbeit ist hart im subarktischen Klima Grönlands, wo der Wind auch Mitte Juni eisig sein kann. Zehn Flugminuten entfernt säubert Rasmus Christensen im Hauptlager die Bohrkerne der letzten Tage mit einem Pinsel. Seit vier Jahren arbeitet der 34-Jährige Projektleiter im Sommer in der unwirtlichen Ödnis. Und wie viele andere hofft er auf den großen Fund. Grönland ist im Goldrausch, und die Suche nach Edelmetallen wie auch nach Öl und Gas wird sich in den nächsten Jahren auf der größten Insel der Welt noch verstärken.
Denn seit gestern bestimmt Grönland seine Geschicke weitgehend autonom von Dänemark: "Selvstyre" (Selbststeuerung), heißt das Schlüsselwort, wonach die Insel die Einnahmen aus Rohstoffen behalten darf, im Gegenzug werden Subventionen gekürzt. Die von 2010 an geltenden Regeln für die Aufteilung der erhofften Rohstofferlöse sind für die Zukunft der 56.000 Einwohner viel wichtiger als errungene Rechte für die Polizei und das Justizwesen.
Grönlands Staatschef Kuupik Kleist (r.) mit Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen (l.) und dem Präsidenten des dänischen Parlaments Thor Pedersen
Die Probebohrungen im Qussuk-Gebiet sind nur einige von vielen. Der neue Regierungschef Kuupik Kleist von der linken Inuit-Partei Ataqatigiit (IA) will sie vorantreiben. Dank Gold, Öl und Gas, so die Hoffnung, wird man sich eines Tages vom Mutterland Dänemark vollends lösen können. Derzeit überweist die Regierung in Kopenhagen noch jährlich rund 400 Mio. Euro - über 7000 Euro pro Einwohner. Ohne das Geld wäre Grönland nicht überlebensfähig.
Doch die Großen der Branche stehen schon Schlange. In der Rohstoffbehörde steckt John Telling, Chef der Mineralabteilung, auf einer großen Karte Gebiete ab. Er ist zuständig für die Vergabe von Schürf- und Bohrlizenzen an Unternehmen wie
Exxon ,
Chevron Texaco oder die australische Ironbark. Er soll den Rausch kanalisieren.
"Der Ansturm ist enorm. Firmen aus aller Welt wollen sich ein Stück vom Rohstoffkuchen sichern, auch wenn die Finanzkrise die Entwicklung ein wenig bremst", sagt er. Alle eint die Hoffnung, dass die Prognosen des US Geological Survey stimmen: Bis zu 25 Prozent der weltweiten Ölreserven vermuten sie vor den Küsten Grönlands. Dazu kommen Vorkommen von Platin, Zink, Gold, Molybdän und anderen Edelmetallen auf dem Festland.
Teil 2: Niedriger Bildungsstand
-
Aus der FTD vom 22.06.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden