Wegen Missachtung von EU-Vorschriften drohen Ungarn jetzt schmerzhafte finanzielle Folgen. Die EU-Kommission schlug vor, für das kommende Jahr 495 Mio.
Euro EU-Fördergelder zu streichen, da Ungarn mehrfach den Stabilitätspakt zur Begrenzung der Staatsschulden gebrochen hat. Die EU würde damit erstmals eine Finanzstrafe gegen ein Land wegen eines notorisch überhöhten Defizits verhängen. Dieser beispiellose Schritt sei Folge der dauerhaften Weigerung der ungarischen Regierung, trotz wiederholter Warnungen die Haushaltspolitik zu korrigieren, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Die ungarische Regierung könne das Einfrieren der Mittel aber noch abwenden.
Die Regierung in Budapest kritisierte den Vorstoß der Kommission als "unbegründet und unfair". Das ungarische Wirtschaftsministerium erklärte, der Abbau der Neuverschuldung werde dauerhaft sein. Die Regierung hatte am Mittwoch zusätzliche Maßnahmen beschlossen und die Kommission darüber im Vorfeld informiert. Rehn sagte, die jüngsten Konsolidierungsschritte reichten aber nicht aus, da die Wachstumsprognose des Landes gesenkt werden müsse.
Die Kommission beanstandet, dass Ungarn sein Haushaltsdefizit 2012 nur mit Einmalmaßnahmen unter die Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) senkt und die Konsolidierung damit nicht von Dauer ist. Die EU-Finanzminister hatten grundsätzlich Ende Januar bereits der Verschärfung des Strafverfahrens gegen ein zu hohes Defizit zugestimmt. Sie müssen jetzt über die Sperrung der Fördergelder entscheiden.