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Merken   Drucken   12.10.2011, 15:51 Schriftgröße: AAA

Investoren-Guru im "Stern"-Interview: Roubini warnt vor weltweitem Börsen-Crash

Der US-Topökonom verlangt eine "Brandmauer", damit die Staatsschuldenkrise nicht zum Flächenbrand wird: Der Betrag im Euro-Rettungschirm soll mehr als vervierfacht werden - auch wenn das Deutschland das "AAA" kosten würde.
© Bild: 2011 Bloomberg/Simon Dawson
Der US-Topökonom verlangt eine "Brandmauer", damit die Staatsschuldenkrise nicht zum Flächenbrand wird: Der Betrag im Euro-Rettungschirm soll mehr als vervierfacht werden - auch wenn das Deutschland das "AAA" kosten würde.
Der amerikanische Crash-Prophet Nouriel Roubini hat die Staatsschuldenkrise als "tickende Zeitbombe" bezeichnet und ein entschlossenes Gegensteuern gefordert, um einen weltweiten Zusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern. "Wenn Europa implodiert, werden die USA mit in den Abwärtssog gezogen", sagte er dem Magazin "Stern". Der Top-Ökonom, der schon 2004 vor dem Platzen der US-Immobilienblase gewarnt hatte, forderte, den Betrag im Euro-Rettungsschirm ESFS mehr als zu vervierfachen. Der sei "schon jetzt viel zu klein. Die 440 Mrd. (Euro) reichen höchstens bis Ende des Jahres."
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Roubini appellierte an die Regierungen Europas, sehr schnell eine "Brandmauer" um die hochverschuldeten Länder Spanien und Italien zu ziehen, die schon große Probleme hätten, ihre Staatskasse zu füllen und Gläubiger zu bedienen. "Dazu muss der Fonds auf mindestens zwei Billionen Euro" erweitert werden, also 2000 Mrd. Euro. "Wir brauchen jetzt eine Abwehrwaffe, eine Bazooka. Und zwar innerhalb weniger Wochen. Spätestens zum G-20 Gipfel Anfang November muss die Ausweitung des Rettungsschirmes stehen." Sonst drohten ein globaler Crash der Finanzmärkte und eine weltweite Depression. "Uns läuft die Zeit davon."
"Es hängt jetzt alles an Deutschland"
Nach Ansicht Roubinis könnte die Ausweitung des Rettungsschirms zur Folge haben, dass Deutschlands und Frankreichs Bonität herabgestuft wird. Beide Länder haben bei den drei großen Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's die Topnote. "Deutschland könnte den AAA-Status verlieren. Aber jetzt geht es nur noch darum, zwischen dem kleineren und größeren Übel zu entscheiden. Wenn Deutschland jetzt handelt, gibt es eine gute Chance auf Erfolg."
Am Dienstag hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, die Politik zu raschem und entschlossenem Handeln aufgerufen. Die Entwicklung als Folge der Schieflage Griechenlands habe eine "systemische Dimension" erreicht, warnte er vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments. Mit der Einschätzung stellte Trichet die Lage auf eine Stufe mit dem Lehman-Desaster samt seiner Folgen. Nachdem die US-Bank im September 2008 pleite ging, mussten weltweit Banken mit Hunderten Milliarden aus diversen Staatskassen gestützt werden.
Vor allem aus amerikanischer Sicht sei Europa eine "tickende Zeitbombe", sagte Roubini dem "Stern". Gerate die USA in den Abwärtssog, könnte US-Präsident Barack Obama die Wahl verlieren. Die Verantwortung für die Lösung der Krise liege mittlerweile allein bei Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Bundesrepublik müsse Führungsstärke beweisen, andernfalls drohe der baldige Zusammenbruch der Euro -Zone. "Letztlich kann nur Deutschland die Euro-Zone retten. Wenn Deutschland jetzt rasch vorangeht und einer Erweiterung des Rettungsschirms zustimmt, dann werden andere folgen. Es hängt jetzt alles an Deutschland."

Teil 2: "Blut und Tränen"

  • FTD.de, 12.10.2011
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