Silvio Berlusconi kehrt womöglich auf die große politische Bühne zurück - und könnte 2013 als Spitzenkandidat seiner Partei Popolo della Libertà (PdL) ins Rennen um die Nachfolge von Ministerpräsident Mario Monti gehen. Der 75-Jährige, der bereits viermal Premier war und die italienische Politik über 20 Jahre maßgeblich mitbestimmte, könne zusammen mit PdL-Vorstand Angelino Alfano antreten, berichteten italienische Medien am Mittwoch. "Wir alle bitten ihn darum. Ich glaube, dass er sich am Ende dazu durchringen wird", sagte Alfano dem Nachrichtensender Sky TG24. Im Gespräch sei, die Partei von PdL in "Forza Italia" rückzubennen.
Es wäre eine spektakuläre Kehrtwende. Nach seinem Sturz im November schloss Berlusconi aus, noch einmal bei einer Wahl den Posten des Regierungschefs anzustreben. Doch die Umfragewerte dürften ihn ins Grübeln gebracht haben: Die PdL steckt tief in der Krise. Alfano, den Berlusconi zu seinem Nachfolger erkoren hat, kommt in der Bevölkerung nicht gut an. Sollte sich die PdL ohne Berlusconi im nächsten Jahr präsentieren, dürfte sie gerade einmal zehn Prozent bekommen. Zusammen mit dem "Cavaliere" und einem jungen Team könnte sie, so die Hoffnung der Parteistrategen, auf 30 Prozent kommen. Das könnte reichen, um in einer großen Koalition eventuell das Sagen zu haben.
Die Gedankenspiele Berlusconis zeigen auf, wie nervös die italienischen Parteien sind. Die ungewählte Technokratenregierung um Monti degradiert sie zu bloßen Statisten, die - wenn überhaupt - durch Skandale auffallen. Sowohl die rechte Lega Nord als auch die ehemalige Margherita - das ist der katholische Teil der heutigen sozialdemokratischen PD - müssen sich gegen Vorwürfe verteidigen, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. Zudem erwächst den Parteien neue Konkurrenz.
Die Bewegung Fünf Sterne des Komikers und Bloggers Beppe Grillo feierte bei den kommunalen Wahlen große Erfolge feierte und stellt in Parma nun sogar den Bürgermeister stellt. Auf nationaler Ebene könnte sie nach aktuellen Schätzungen auf 20 Prozent kommen. Ebenfalls in den Startlöchern steht Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo. Es gilt als wahrscheinlich, dass aus seiner Stiftung Italiafutura eine politische Bewegung wird. Montezemolo hält sich zu seinen Ambitionen aber noch bedeckt.
Für Berlusconi dürfte eine erneute Kandidatur ein schwieriges Unterfangen werden. Einmal hat der Cavaliere die Justiz im Hals, der Prozess rund um ein mögliches sexuelles Verhältnis mit der damals noch minderjährigen Ruby läuft. Zum anderen muss er ein glaubwürdiges Programm entwickeln, mit dem er Italien aus der Krise führen will. Die aktuell dramatische Lage, in der sich das Land befindet, wird schließlich ihm mit angelastet. Berlusconi wolle deshalb seine Sommerferien opfern: Statt wie sonst nach Sardinien zu fahren wolle er in seiner Villa Arcore bei Mailand bleiben, um ein neues Team aufzustellen, berichteten italienische Medien.