Das italienische Pendant der deutschen Piratenpartei entert das erste Rathaus einer großen Stadt. Am Montag holte der Kandidat der Bewegung Fünf Sterne von Komiker Beppe Grillo, Federico Pizzarotti, in Parma 60,1 Prozent der Stimmen. Damit setzte er sich in einer Stichwahl gegen Vincenzo Bernazzoli von den Sozialdemokraten durch.
Es ist ein historischer Erfolg für die erst seit zweieinhalb Jahren existierende Bewegung - und ein Beleg für die Unzufriedenheit der italienischen Wähler mit den etablierten Parteien. Der 63-jährige Grillo und seine Mitstreiter prangern Verschwendung und Korruption an. Sie wettern gegen aus ihrer Sicht unnötige Großprojekte wie die Expo 2015 in Mailand. Das Ziel der Grillo-Anhänger ist eine direktere Form der Demokratie, in der die Bürger über das Netz besser informiert und stärker in Entscheidungen eingebunden werden.
Der Erfolg ist ein weiteres Zeichen der gewaltigen Politikverdrossenheit in Italien. Die Wähler strafen nicht nur die Partei von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Popolo della Libertà (PdL), und die Sozialdemokraten ab, sondern auch den langjährigen Koalitionspartner der PdL, die Lega Nord. Die rechtskonservative Bewegung von Umberto Bossi, die für eine Abspaltung des reichen Nordens vom Süden kämpft und sich stets als ehrliche Antwort zum aus ihrer Sicht "diebischen" Rom gerierte, befindet sich in einer Existenzkrise. Die Söhne und Vertrauten Bossis sollen sich aus der Parteikasse bedient haben. Staatsanwaltschaften sind aktiv, gegen Bossi selbst wird ermittelt.
Die Wahlergebnisse auf kommunaler Ebene könnten ein Vorbote sein für die nationalen Wahlen 2013. Dann endet das Mandat der Technokratenregierung von Ministerpräsident Mario Monti. Bislang ist völlig unklar, wer auf Monti folgt. Die Grillo-Bewegung könnte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielen.