Die Bundesregierung hat einen Magazinbericht dementiert, wonach sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen EU-weiten politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine einsetzt.
"Die Meldung ist falsch. Die Bundeskanzlerin wirbt nicht für einen EU-weiten politischen Boykott der Spiele in der Ukraine", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntag. Über eigene Reisepläne dorthin werde die Kanzlerin erst kurzfristig entscheiden. "Der Spiegel" hatte zuvor berichtet, Merkel werbe dafür, dass alle Staats- und Regierungschefs der EU den Spielen in dem Land fernbleiben, falls die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko nicht freikomme.
Die wegen Amtsmissbrauch zu sieben Jahren Haft verurteilte Timoschenko leidet an einem nicht behandelten Bandscheibenvorfall und hat aus Protest gegen Misshandlungen in der Haft vor mehr als zwei Wochen einen Hungerstreik begonnen. Die ehemalige Ministerpräsidentin bezeichnet die Verfahren gegen sie als Schauprozesse, um die Opposition mundtot zu machen.
Timoschenkos Tochter Eugenia hat einem weiteren Zeitungsbericht zufolge um ein Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck gebeten. Entsprechende Anfragen seien dem Kanzler- und dem Präsidialamt übermittelt worden, berichtet die "Bild am Sonntag". Timoschenko komme an diesem Montag nach Berlin, um an einer Tagung der Arbeitsgruppe Menschenrechte der Unions-Bundestagsfraktion teilzunehmen. Zwar gebe es keine Pläne für ein Treffen mit Merkel, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert laut "BamS". Unmöglich ist dies aber offensichtlich nicht. "Die Bundeskanzlerin hat Eugenia Timoschenko schon einmal getroffen. Dass sie es wieder tut, ist nicht ausgeschlossen", so Seibert weiter.
Zuletzt wuchs im Fall Timoschenko der Druck auf die Ukraine. Die EU-Kommission kündigte in der vergangenen Woche an, die Spiele in der Ukraine, die das Turnier gemeinsam mit Polen ausrichtet, zu boykottieren. Gauck und acht andere Staatschefs haben zudem ein für Mitte Mai geplantes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch auf der Krim abgesagt.