In kürzester Zeit hat Mario Monti seine neue Regierung zusammen gezimmert. Es sind parteilose Technokraten. Mit der Politik haben sie allenfalls geflirtet. FTD.de zeigt einige der italienischen Hoffnungsträger. von Fabian Löhe
und Kai BellerBerlin
Der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti (m.) posiert mit seinem Kabinett während der Vereidigung
Es ist ein politisch weitgehend unerfahrenes Team mit dem Italiens Ministerpräsident Mario Monti sein Land aus der tiefen Schuldenkrise führen will. Die Zeit drängt: Der Staat steht am Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs - und gefährdet damit die gesamte Euro-Zone. Am Mittwoch grassierten am Finanzmarkt erneut Zweifel, ob Europas drittgrößte Volkswirtschaft die Wende schaffen kann.
Die Renditen italienischer Staatsanleihen kletterten wieder über die als kritisch geltende Schwelle von sieben Prozent. Auf diesem Niveau ist der italienische Schuldenberg langfristig nicht tragbar. FTD.de gibt einen Überblick über einige der Minister, die Italien wieder flott machen sollen.
Sein guter Ruf stammt aus seiner Amtszeit als Binnenmarkt- und Wettbewerbskommissar von 1995 bis 2004. Der 68-Jährige ging damals keinem Konflikt aus dem Weg. Der Wirtschaftsprofessor legte sich unter anderem mit dem Softwarekonzern Microsoft und den deutschen Landesbanken an - mit Erfolg. Außerdem sorgte Monti für eine Liberalisierung des Autovertriebs in der EU.
Monti stand Berlusconi immer kritisch gegenüber. In Zeitungsbeiträgen rechnete er mit der Politik des konservativen Ministerpräsidenten ab, dem er vorwarf, trotz seiner parlamentarischen Mehrheiten keine grundlegenden Reformen in Angriff genommen zu haben. Im Berlusconi-Lager ist die Idee eines Expertenkabinetts unter Monti umstritten. Tatsächlich wird es der Wirtschaftsfachmann und Senator auf Lebenszeit nicht einfach haben, eine Mehrheit für seine Pläne zu gewinnen. Doch der Beifall der Finanzmärkte und der europäischen Regierungen dürfte ihm gewiss sein.
Der 56-Jährige ist ein Gewächs aus dem Haus der Unternehmensberatung McKinsey. Seit 2002 ist Passera Vorstandsvorsitzender der Großbank Intesa Sanpaolo. Zuvor war er Chef des staatlichen Postbetriebs Poste Italiane SpA. Einen Interessenskonflikt bei der Ernennung des Bankmanagers zum Infrastruktur- und Industrieminister sieht Monti nicht. Dabei war Passera zudem in den 90er-Jahren unter anderem Chef beim Industriekonzern Olivetti.
Obwohl er zu keiner Partei gehört, schätzen ihn Beobachter eher als mitte-links ein. Vor einigen Tagen hatte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg das Krisenmanagement der Staats- und Regierungschefs in der Euro-Zone als "ineffektiv" kritisiert: "Wir müssen aus diesen Erfahrungen lernen und viel flexibler, pragmatischer und effektiver werden."
Giarda wird für die Beziehungen der Regierung zum Parlament zuständig sein. In dieser Funktion wird er für Ministerpräsident Monti die Mehrheiten organisieren müssen. Erfahrung in der Regierungsverantwortung kann er ebenfalls vorweisen: Unter Ministerpräsident Giuliano Amato war er beispielsweise 2000/01 Unterstaatssekretär im Finanzministerium und gilt als Experte für öffentliche Finanzen.
Antonio Catricala mit seiner Frau vor einem Galadinner
Der bisherige Vorsitzende der italienischen Wettbewerbsbehörde Antonio Catricala wird als Stellvertreter von Monti berufen. Vorsitzender seiner Behörde ist er seit 2005. Davor war der 59-Jährige seit 2001 Generalsekretär im Büro des Premierministers. Das Bild zeigt ihn mit seiner Gattin vor einem Galadinner.
Der Karrierediplomat ist seit Oktober 2009 Botschafter Italiens in Washington. Zuvor war er ständiger Vertreter seines Landes bei den Vereinten Nationen. Terzi leitete auch die italienische Delegation, als das Land eines der nicht-ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates war. Von 2002 bis 2004 war der Diplomat Botschafter in Israel. In diese Zeit fiel der Ausbruch der zweiten Intifada - des Aufstands der Palästinenser gegen Israel. Eine weitere Karrierestation führte in nach Brüssel zur Nato.
Die Erfahrungen dürften dem 65-Jährigen in seinem neuen Amt helfen. Eine große Einarbeitungszeit wird er nicht benötigen. Wie die anderen Minister des Monti-Kabinetts gehört auch Terzi keiner Partei an.
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