Eine Serie über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Frankreich zur Präsidentschaftswahl
Er wandte sich an die Opfer der Wirtschaftsmisere in Frankreich, "an Arbeiter, Angestellte, Handwerker, Bauern, die Vorstädte in der Krise, die Industriegebiete im Abstieg, die ländlichen Regionen, die man abgeschrieben hat". Sarkozy zeichnete sich als Einiger eines "Frankreich, das wie eine Familie ist und niemanden aufgibt".
Viele bürgerliche Sympathisanten wurden von Sarkozys Image als hartherziger Autokrat abgeschreckt. Nun bemühte er sich um sanftere Züge und kündigte eine ethische Debatte an, eine Anstrengung, "den Finanzkapitalismus zu moralisieren" etwa.
In eine ähnliche Richtung ging Sarkozys Konkurrentin. "Ich werde Präsidentin eines unteilbaren Frankreich sein", sagte sie am Abend vor Anhängern im südwestfranzösischen Melle. Sie wolle, das das Land "sich aufs Neue erhebt."
Beide Kandidaten setzen für die Stichwahl auf die Wähler der Mitte - die des Liberalen François Bayrou. Die radikale Linke kann Royal mit dem Feindbild Sarkozy ohnehin mobilisieren. Sarkozy muss sowohl die Wähler des Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen als auch Anhänger Bayrous gewinnen.
Traditionell werden in der Zeit zwischen den Wahlgängen die Allianzen geschmiedet, die lange fortbestehen. Da die Stichwahlkandidaten allein die Mehrheit nicht gewinnen können, setzen sie auf Wahlempfehlungen der Ausgeschiedenen. Deren Parteien verlangen Gegenleistungen. So konnte der Sozialist François Mitterrand 1981 mithilfe kommunistischer Stimmen in den Élysée-Palast einziehen. Im Gegenzug beteiligte er die Partei an der Regierung.
Bayrou sagte noch nicht, ob und für wen er eine Empfehlung abgibt. Er reklamierte weiter eine tragende Rolle für die "unabhängige Mitte". Bayrous UDF kann wegen des Mehrheitswahlrechts in den Parlamentswahlen im Juni nur Sitze gewinnen, wenn sie vorab einen Pakt schließt. In der Vergangenheit haben die UMP und deren Vorgängerparteien der UDF bestimmte Wahlkreise überlassen. Doch Bayrou hat das alte Bündnis aufgekündigt.
Royal hat zum Schluss offenbar davon profitiert, dass sie sich wieder stärker als Anwältin des Wandels präsentierte. Nun stellt sie eine Formel ins Zentrum, mit der die Linken in Großbritannien und Deutschland vor Jahren erfolgreich waren: das Versprechen vom Wandel in Gerechtigkeit. Es gebe "keine wirtschaftliche Veränderung ohne sozialen Fortschritt". Ihr Sprecher Arnaud Montebourg sagte, man werde die unterschiedlichen Konzepte bei den Sozialreformen in den Mittelpunkt stellen. Sarkozy dagegen setzte voll auf das Konzept des "mitfühlenden Konservatismus": "Ich beschütze Sie", versprach er den Franzosen.