In Frankreich hat mit der Öffnung von Wahllokalen in Übersee die entscheidende Runde der Präsidentenwahl begonnen. Ab Samstagmittag konnten 5000 Wahlberechtigte auf den Inseln Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Atlantikküste ihre Stimmzettel abgeben.
Im Laufe des Tages sollten in weiteren Überseegebieten wie den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique die Wahllokale öffnen. Auf dem französischen Festland wird erst am Sonntag gewählt.
Eine große Unbekannte bleiben die Anhänger der Kandidaten, die bei der ersten Wahlrunde am 22. April ausgeschieden sind. Diesen Wechselwählern kommt nun hohe Bedeutung zu.
Grund für den vorzeitigen Wahlbeginn in manchen Überseegebieten ist die große Zeitdifferenz zu Frankreich. Ohne eine frühere Abstimmung dort würde mancherorts noch gewählt, während in Paris längst Ergebnisse vorliegen. Daher dürfen knapp 900.000 der rund 46 Millionen wahlberechtigten Franzosen bereits am Samstag abstimmen.
Der konservative Premierminister François Fillon geht nach Angaben der Zeitung "Le Figaro" von einem "50:50-Ergebnis" aus: "Das wird sich an einigen hunderttausend Stimmen entscheiden", meinte er.
Hollande hatte Journalisten nach Angaben des "Le Parisien" am Vortag gesagt, er würde 52 Prozent der Stimmen als großen Erfolg ansehen. "Schon 50,5 bedeuten den Sieg", meinte der Sozialist, der in Umfragen bisher mit 54 bis 57 Prozent gehandelt wurde.
Mit Blick auf Hollandes Forderung nach einer Neuverhandlung des Fiskalpaktes im Falle seines Wahlsieges warnte auch der französische EU-Kommissar Michel Barnier vor einer Abkehr von der Haushaltsdisziplin. "Die Stabilitätskultur Deutschlands muss alle Länder Europas durchdringen", fordert Barnier im Interview mit der "Wirtschaftswoche". Der Fiskalpakt sei eine "Hausordnung, die wir schon vor zehn Jahren hätten einführen sollen" - er müsse so schnell wie möglich ratifiziert und angewendet werden.