Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger
Nunmehr beginne die intensive Vorbereitung auf das Konklave, sagte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls am Samstag. Das Kardinalskollegium bitte die Medien einmütig, auf Anfragen zu verzichten. "Sie haben nun eine Zeit der intensiveren Stille und Gebete begonnen", sagte der Sprecher.
Die zahlreichen öffentlichen Äußerungen von katholischen Würdenträgern nach dem Tod des Papstes hatten Kritik hervorgerufen. Italienische Medien berichteten, dass sich der Vorsitzende des Kardinalskollegiums, Joseph Ratzinger, für das Interviewverbot stark gemacht habe. Der Deutsche gilt als einer der möglichen Nachfolger von Johannes Paul II.
Wie Navarro-Valls weiter mitteilte, gehen am 18. April 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle ins Konklave. Zwei der insgesamt 117 wahlberechtigten Geistlichen, Jaime Sin von den Philippinen und Alfonso Antonio Suarez Rivera aus Mexiko, könnten wegen Krankheit nicht an der Papstwahl teilnehmen.
Nach Überzeugung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Mainzer Kardinals Karl Lehmann, gibt es bei der bevorstehenden Papstwahl keine eindeutigen Favoriten. Wahrscheinlich gebe es auch "keine fest gefügten Allianzen", sagte Lehmann der Mainzer "Allgemeinen Zeitung". Der zukünftige Papst werde sich an Johannes Paul II. messen lassen müssen. Hautfarbe, Herkunft und manches andere, was derzeit diskutiert werde, spiele sicher eine geringe Rolle. Der neue Papst müsse sich durch "größtmögliche Offenheit und tiefes, entschiedenes Verwurzeltsein im Glauben" auszeichnen.
Rückkehr zur Normalität
Nach dem größten Papst-Begräbnis der Geschichte öffnete der Petersdom in Rom wieder seine Pforten für Besucher. Das Grab von Johannes Paul II. in den Grotten unter der Basilika kann aber erst ab kommender Woche besichtigt werden. Trotz Regens strömten schon am Morgen hunderte Pilger und Touristen in die Kirche. "Der Petersplatz kehrt wieder zur Normalität zurück", berichtete das italienische Fernsehen.
Die meisten der rund drei Millionen Pilger, die die Ewige Stadt bevölkert hatten, machten sich am Samstag auf die Heimreise. Die Zeltstädte in Rom wurden abgebaut, die Reste des Massenansturms beseitigt. Schon am frühen Samstagmorgen waren in den Straßen Reinigungskräfte im Einsatz.
Nach der Trauerfeier auf dem Petersplatz mit rund 200 Politikern, gekrönten Häuptern und Kirchenführern lösten sich die Ansammlungen von Millionen Pilgern am Freitag ohne Zwischenfälle auf. Der Vatikan bedankte sich bei der italienischen Regierung und der Stadt Rom für den großen Einsatz. Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte, er sei stolz darauf, wie die vielen Gläubigen aus aller Welt aufgenommen worden seien. Der Sicherheitsapparat habe funktioniert.