Beim Klimaschutz-Gipfel geht es nur vordergründig ums Klima - verhandelt wird vor allem über die Verteilung von aktuellem und künftigen Wohlstand. FTD.de zeigt Gewinner und Verlierer der Klimaökonomie in einer Serie
Klima-Gipfel in Kopenhagen:Die große Konferenz der Umverteilung
Serie
Beim Klimagipfel in Kopenhagen geht es nicht nur um die Verteilung von CO2 - sondern vor allem darum, wer daran verdient.
von Nikolai Fichtner
Vorbei ist die Zeit, als sich nur Umweltschützer für den Klimawandel interessierten. Den Kopenhagener Klimagipfel, der in einer Woche beginnt, bezeichnen Ökonomen als "größte Wirtschaftskonferenz seit dem zweiten Weltkrieg". 192 Staaten sind vertreten, die ganze Welt sitzt im Verhandlungssaal. Etwa 18.000 Teilnehmer, darunter rund 9000 Delegierte, 3500 Journalisten - und mehr als 5000 Lobbyisten, aus Umwelt- wie aus Industrieverbänden.
Vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen häufen sich die Appelle, das Treffen nicht schon von vornherein abzuhaken.
Es gibt viel zu verlieren in Kopenhagen - oder viel zu gewinnen, je nach Perspektive. "Wir alle spüren: Das ist eine Konferenz, die uns bewegt." So beschreibt BDI-Präsident Hans-Peter Keitel die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Denn Kopenhagen ist eine Konferenz der Umverteilung - von Geld und von Marktchancen. Die größte Umverteilung wird zwischen der heutigen und den künftigen Generationen stattfinden.
Allein in Europa würde ein ungebremster Klimawandel im Jahr 2080 Kosten in Höhe von 65 Mrd. Euro pro Jahr verursachen, wie eine EU-Studie gerade berechnet hat - durch Überschwemmungen oder Hitzeschäden. In anderen Teilen der Erde wären die Folgen des Wandels noch weit dramatischer. Um die Erderwärmung auf noch erträgliche zwei Grad zu begrenzen, müsste die Welt ihren CO2-Ausstoß bis 2050 mindestens halbieren.
Greenwashing
Klimasünder mit grüner Weste
Doch die zukünftigen Generationen sitzen nicht mit am Verhandlungstisch. Darum wird es dort um sehr gegenwärtige Interessen gehen: Wer reduziert seinen CO2-Ausstoß wie stark. Das Klima ist ein öffentliches Gut - da gibt es immer die Gefahr von Trittbrettfahrern, die die Arbeit den anderen überlassen. Und so fürchten die Industrien der Vorreiterländer Wettbewerbsnachteile, wenn die neue CO2-Währung nicht für alle gleich gilt. Gleichzeitig würde ein ambitioniertes Klimaabkommen jene belohnen, die schon früh auf saubere Technologien gesetzt haben und jetzt Exportchancen wittern.
Die Konflikte verlaufen zwischen denen, die Technologie verkaufen wollen, und denen, die bislang Öl, Gas und Kohle verkaufen. Gleichzeitig streiten die industrialisierten Ländern und mit denen, die jetzt neue Industrie aufbauen sollen.
Die reichen Länder sollen sich zu CO2-Reduktionen verpflichten, die Schwellenländer auf saubereres Wachstum. Die Entwicklungsländer pokern um einen Milliardendeal: Geld gegen Klimaschutz. 100 Mrd. Euro pro Jahr sollen laut EU ab 2020 in den Süden fließen, damit der sich klimafreundlich entwickelt - so viel wie die gesamte Entwicklungshilfe bisher.
Die FTD wird in dieser Woche die ökonomische Dimension der Verhandlungen beleuchten. Wer kassiert die Klimarendite, die durch neue Technologien entsteht? Wie kann man dem Wald einen Wert geben, damit sich das Abholzen nicht mehr lohnt? Was wird aus den Verlierern der kohlenstofffreien Weltwirtschaft? Wie teuer wird es, die Dritte Welt zu überzeugen, sich anders zu entwickeln, als wir es getan haben? Und schließlich: Welchen Pulli müssen Konferenzteilnehmer nach Kopenhagen mitnehmen?
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