FTD.de » Politik » Europa » Europas Autos dürfen weiter qualmen
  FTD-Serie: Klimastar Deutschland

Die Klimaforscher sind sich weitgehend einig: Die Erderwärmung ist nicht mehr aufzuhalten, die Folgen schon heute sichtbar. Deshalb ist klar: Das Geschäft mit dem Klimawandel wird der nächste große Markt. Kann Deutschland seine führende Position bei erneuerbaren Energien und Umwelttechnik behalten oder sogar ausbauen? Was Politik und Wirtschaft in Sachen Klimawandel tun, lesen Sie in dieser Serie der FTD.

Merken   Drucken   23.01.2007, 15:10 Schriftgröße: AAA

Klimawandel: Europas Autos dürfen weiter qualmen

Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge über neue Klimaschutzauflagen für die Autoindustrie wegen eines heftigen internen Streits verschoben. Umweltschützer reagierten wütend und entsetzt.
Umweltkommissar Stavros Dimas und Industriekommissar Günter Verheugen hätten sich am Montag nicht einigen können, ob die Begrenzung des Treibhausgasausstoßes rechtlich verbindlich sein solle, hieß es an mehreren Stellen in der Kommission. Präsident Jose Manuel Barroso habe die eigentlich für Mittwoch geplante Entscheidung deshalb verschoben. „Die deutsche EU-Präsidentschaft verliert mit diesem Einknicken der Politik vor den Interessen einiger weniger Industriekonzerne ihre letzte klimapolitische Glaubwürdigkeit“, kritisierte die Deutsche Umwelthilfe, eine der wichtigsten Umweltschutzorganisationen in Deutschland.
Dimas und Verheugen liefern sich bereits seit einigen Tagen eine ungewöhnlich öffentliche Auseinandersetzung darüber, wie stark die Autohersteller beim Klimaschutz in die Pflicht genommen werden sollen. Dimas wollte am Mittwoch eine Gesetzesinitiative ankündigen, um bindende Vorgaben zu erlassen. Darin sollten die EU-Staaten verpflichtet werden, bei allen von 2012 an neu zugelassenen Autos einen Durchschnittsausstoß von 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer zu erreichen. Wie die EU-Staaten das Ziel erreichen, sollte ihnen überlassen bleiben.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso war offenbar anderer ...   EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso war offenbar anderer Ansicht als Umweltkommissar Stavros Dimas
Dies wäre die Reaktion darauf, dass die Autoindustrie ihre Zusagen für eine Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen nicht einhält. Verheugen hält auch mit Rücksicht auf die deutschen Hersteller von Luxusautos mit großen Motoren dagegen und will keine verbindlichen Werte akzeptieren. Er unterstützt zwar das Ziel von 120 Gramm, will dies aber über ein breites Paket von Maßnahmen erreichen, wie etwa eine Schulung von Fahrern, bessere Verkehrsführung und modernere Reifen.
Barroso habe Dimas nicht unterstützt, hieß es in der EU-Behörde. Der Kommissionspräsident habe sich aber auch nicht gegen verbindliche Ziele ausgesprochen. Er habe vielmehr eine Einigung erreichen wollen, die es derzeit aber nicht gebe. Barroso hat den Klimaschutz zu einem seiner großen Ziele erklärt. Das Lager von Dimas argumentiert, nachdem die Kommission erst vor knapp zwei Wochen eine Klimaschutzinitiative vorgestellt habe, müsse sie ihren Worten nun Taten folgen lassen.
Industrie soll freiwillig handeln
Derzeit gilt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie auf einen Durchschnitt von 140 Gramm CO2 pro Kilometer bis Ende kommenden Jahres, der aller Voraussicht nach aber verfehlt wird. Asiatische Hersteller haben ein Jahr länger Zeit. Die Industrie macht dafür auch die Vorliebe der Autokäufer für große und schwere Modelle verantwortlich. Derzeit liegt der Durchschnittsausstoß bei 161 Gramm je Kilometer.
Der CO2-Ausstoß hängt direkt mit dem Verbrauch zusammen. Die Hersteller kleiner Autos aus Frankreich oder Italien haben deshalb weniger Probleme mit einer CO2-Begrenzung als etwa Mercedes, BMW  oder Porsche .
17:01:48 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
BMW 70,01 EUR   -2,14%  -1.53
  • Reuters, 23.01.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Wulff-Affäre: Menschen im Hotel

    Die Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff grenzten zuletzt ans Lächerliche, die neuen tun es nicht: Sie legen den Verdacht einer Vorteilsnahme nahe. Es könnte eng werden. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote