Da hilft nur eine neue Sicht auf die Dinge, eine Umdeutung der Rettungsgeschichte: Wird Europa gerade kaputt gemacht, oder erleben wir nicht seit Monaten auch Sternstunden? Einen existenziellen Kampf, der bei allem Streit für undenkbare Zusammenarbeit gesorgt hat?
Dies klingt natürlich wie ein Widerspruch zu dem gerade Gesagten. Im Grunde aber wäre es ein Ausweg, Europa als pure Notgemeinschaft zu begreifen, die ihre Existenz in ständigen Rettungsaktionen gegen böse "Märkte" behaupten muss. Sehen wir es mal so: Diese ständigen Rettungsgipfel sind auch inspirierend. Die Nächte von Brüssel, wie vergangene Woche oder im Mai 2010, als der EU-Rettungsschirm ersonnen wurde, sind viel besser und kraftvoller als alles, was zuletzt in Nizza oder Lissabon unwillig beschlossen wurde. Das schweißt auch zusammen (also, ich wäre als britischer Premier etwas eifersüchtig, nie dabei zu sein).
Ständig wird Neuland betreten, die Bilder der Gipfel mit Merkel, Nicolas Sarkozy, Jean-Claude Juncker, Giorgos Papandreou und Jean-Claude Trichet werden einmal den gleichen ikonografischen Wert haben wie Helmut Kohl und François Mitterrand, die sich an den Händen halten. Im Überlebenskampf behauptet sich das Projekt, nicht im alten Frieden.
Zugegeben, dazu gehört noch ein wenig Mühe und Fantasie. Aber absurd ist es nicht. Per aspera ad astra. Durch das Schlechte zu den Sternen.