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  11.11.2009, 18:52    

Kolumne: James - Zurück ins Währungschaos

Nach der Finanzkrise droht nun eine neue Phase politischer Währungsstreitereien - ähnlich wie zwischen den beiden Weltkriegen. Dabei wäre genau das Gegenteil notwendig: internationaler Konsens. von Harold James
Harold James   Harold James
Harold James ist Professor für Geschichte und internationale Angelegenheiten an der amerikanischen Princeton University in New Jersey und Marie-Curie-Professor am European University Institute in Florenz. www.project-syndicate.org
Das Währungschaos ist zurück - und damit auch die Forderung nach einer verbesserten internationalen Währungsordnung. Der rapide Wertverlust des Dollar und des Pfund, aber auch des Renminbi verstärken die Spannungen. Auch einige Schreckgespenster aus den 30er-Jahren sind wieder da - vor allem die Angst vor unfairen Handelsvorteilen durch Abwertungswettläufe. So hat US-Finanzminister Timothy Geithner China jüngst Währungsmanipulation vorgeworfen.
Es gibt zwei alternative und sehr gegensätzliche Ansätze, um die Währungen wieder ins Lot zu bringen. Einer ist, eine internationale Konferenz einzuberufen, bei der Experten Modelle zur Berechnung der Wechselkurse vorschlagen und Politiker Abkommen aushandeln können. Das einzige erfolgreiche Beispiel für eine derartige Übereinkunft ist die Konferenz von Bretton Woods 1944, doch selbst damals erwiesen sich die festgelegten Wechselkurse als unrealistisch.
Andere Währungskonferenzen waren große Reinfälle. Präsident Richard Nixon begrüßte das Smithsonian Agreement 1971 als "das bedeutsamste Währungsabkommen der Weltgeschichte". Doch war es schon bald nur noch ein Scherbenhaufen, und die Welt ging zu freien Wechselkursen über. Bei der Louvre-Konferenz 1987 herrschte noch nicht einmal Einvernehmen darüber, was beschlossen worden war. Einige Teilnehmer dachten, sie hätten eine Art Teilfestschreibung der Wechselkurse in Form von Zielzonen festgelegt, aber die mächtige Bundesbank teilte diese Auslegung nicht.
Die Geschichte lässt den Schluss zu, dass kollektive Verhandlungen über Währungen und neue Vorgehensweisen bei den Reserven wahrscheinlich keinen Erfolg haben werden.
Vertrauen in den menschlichen Intellekt
Der zweite und bessere Ansatz besteht in jeweils länderspezifischen Abkommen darüber, was die geeignete Grundlage der Währungspolitik sein sollte. Wenn diese Abkommen allgemein akzeptiert werden und gegenseitig vereinbar sind, ist das Ergebnis ein stabiles internationales Währungssystem.
Für einen derartigen Konsens gibt es zwei Beispiele: Beim ersten - vor einem Jahrhundert - wurde das Vertrauen durch Gold untermauert; beim zweiten, während der Globalisierungswelle der jüngeren Vergangenheit, war es von der Fähigkeit des menschlichen Intellekts abhängig, politische Probleme zu lösen. Das Ende der Inflation und "die große Mäßigung" der letzten drei Jahrzehnte waren eine wesentliche Voraussetzung für die Liberalisierung weiter Teile der Welt sowie für mehr Vertrauen, Handel und Wohlstand. In diesem Zeitraum gab es bei der Suche nach einem Währungssystem zwei Phasen: Im ersten Versuch, ein Fundament für eine stabile Währungspolitik zu legen, lag der Schwerpunkt auf der Geldmengensteuerung. In der zweiten, erfolgreicheren Phase führte eine zunehmende Anzahl von Ländern entweder explizite oder implizite Inflationsziele ein.
Doch war die Inflationssteuerung nie ein einleuchtendes Konzept, und die jüngste Finanzkrise hat sie in Misskredit gebracht. 2003 erklärte Ben Bernanke, damals einer der Gouverneure der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), in einem Vortrag, dass viele Amerikaner die Inflationssteuerung für "fremd, undurchsichtig und möglicherweise leicht subversiv" halten. Dieses Gefühl ist jetzt noch stärker geworden.

Teil 2: Das Problem der Vermögenspreisentwicklung

  • Aus der FTD vom 12.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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