FTD.de » Politik » Europa » James - Zurück ins Währungschaos

Merken   Drucken   11.11.2009, 18:52 Schriftgröße: AAA

Kolumne: James - Zurück ins Währungschaos  

Nach der Finanzkrise droht nun eine neue Phase politischer Währungsstreitereien - ähnlich wie zwischen den beiden Weltkriegen. Dabei wäre genau das Gegenteil notwendig: internationaler Konsens. von Harold James
Harold James   Harold James
Harold James ist Professor für Geschichte und internationale Angelegenheiten an der amerikanischen Princeton University in New Jersey und Marie-Curie-Professor am European University Institute in Florenz. www.project-syndicate.org

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  • Aus der FTD vom 12.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 12.11.2009 17:33:43 Uhr   Thomas Müller: Kooperation nötig

    Wenn Harold James von den „Schreckgespenster[n] aus den 30er-Jahren“ spricht, von der „Angst vor unfairen Handelsvorteilen durch Abwertungswettläufe“, scheint er wie die meisten Ökonomen nur an China und bestenfalls noch Japan zu denken. Dabei wies Deutschland 2008 den zweithöchsten Leistungsbilanzüberschuss aller Volkswirtschaften aus. Diese Überschüsse konnten zum einen erzielt werden, weil es innerhalb der Eurozone keine Wechselkursanpassung gibt, so dass Deutschland Exportüberschüsse auf Kosten der Nachbarländer erzielen kann. Hier betreibt Deutschland mit Lohnzurückhaltung und der Senkung der sog. Lohnnebenkosten zu Lasten der Binnennachfrage eine reale Abwertung innerhalb des Währungsraumes. Zum anderen verhindert die insgesamt ausgeglichene Leistungsbilanz der Eurozone eine stärkere Aufwertung der Währung als es unter der DM der Fall gewesen wäre, so dass Deutschland auch gegenüber Nicht-Euroländern wie den USA und Großbritannien hohe Überschüsse erzielen kann.

    Als eine mögliche Lösung für Währungsturbulenzen sieht James nun länderspezifische Abkommen. Noch allgemeiner kann man es kaum ausdrücken. Tatsächlich gibt es zwei wesentliche Ursachen für Währungsturbulenzen, nämlich erstens Spekulation und zweitens dauerhafte Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen. Den ersten Punkt könnte man mit einer Transaktionssteuer auf ein erträgliches Maß eindämmen, für den zweiten Punkt müssen Länder wie Deutschland schlicht gewisse makroökonomische Grundregeln beachten. Die wichtigste davon lautet, dass die Löhne im mittelfristigen Trend mit der Produktivität steigen müssen. Steigen Sie in einem Land zu wenig, gewinnt dieses Land vorübergehend Marktanteile bis früher oder später die Aufwertung diesen vermeintlichen Erfolg wieder zunichte macht. Betreiben einige große Volkswirtschaften systematisch eine solche Politik, kommt es daher zwangsläufig zu Währungsturbulenzen., da Währungen erwiesenermaßen zum „Überschießen“ neigen, also zu stark steigen bzw. fallen.

    Hier wäre also dringend eine internationale Konferenz der großen Volkswirtschaften nötig, um sich auf derartige Grundsätze – Finanzmarkttransaktionen zu besteuern, keine unkooperative Wettbewerbspolitik mittels Lohndumping zu betreiben, weder Inflation noch Deflation anzustreben – festgelegt werden.

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