FTD.de » Politik » Europa » Münchau - Der Krise dritter Teil

Merken   Drucken   09.02.2010, 21:10 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Der Krise dritter Teil  

Inzwischen haben einige Staaten ähnliche Zahlungsprobleme wie die Banken. Das könnte einen Crash an den Bondmärkten auslösen. von Wolfgang Münchau 
Wolfgang Münchau ist FTD- und FT-Kolumnist. Er leitet den Informationsdienst Eurointelligence.
Und Sie dachten wohl schon, die Krise wäre vorüber, endlich, nach mehr als zwei Jahren? Schließlich geht der Ifo-Index nach oben, die Rezession ist nun offiziell vorbei. Es kann so kommen, aber das ist keineswegs garantiert.
Der Auslöser einer dritten großen Krisenwelle wäre diesmal nicht eine einfache Bankpleite wie die von Lehman Brothers, sondern ein Staatsbankrott. Griechenland ist ein offensichtliches und akutes Problem, aber nicht das einzige. Und wenn Griechenland ins Strudeln gerät, dann rechne ich fest damit, dass die eine oder andere europäische Bank ebenfalls mit in den Sog gerissen wird. Selbst ein kleiner Staatsbankrott wäre somit ein äußerst gefährliches Ereignis für das globale Finanzsystem.

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  • Aus der FTD vom 10.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 12.02.2010 12:11:38 Uhr   Timm Esser: Bad Banks sind Trojanische Pferde

    In Kürze wird Spanien die Griechen in den Schlagzeilen ablösen und für ein derart böses Erwachen sorgen, dass den "Blasen-Kranken" in Europas Immobilienmarkt noch Hören und Sehen vergeht. Allen, ausser den Bankern. Historische Bankiers und Königsmacher wie die Fugger vor 500 Jahren, die in dieser Kolumne bereits bemüht wurden, waren harmlose Chorknaben im Vergleich zu den Leichenpflädderern, die in den kommenden Jahren die Finanzfriedhöfe umpflügen werden.

    Das Instrument dafür ist ausgerechnet ein Klassiker der antiken Griechen; das Trojanische Pferd. Das ist längst von Finanzingenieuren kopiert und wird derzeit gezimmert. Nicht nur in Spanien, auch in Deutschland. Auf neudeutsch heisst diese "Erfindung" Bad Bank.

    In meiner täglichen Praxis sehe ich, dass allein aus spanischen Immobiliengesellschaften beste Liegenschaften (Bürogebäude, Hotels, Einzelhandel, Wohnungspakete, etc.) europaweit im "Wert" (?) von Hunderten Milliarden Euro sogenannt off-market auf dem Markt sind. Darunter das Feinste vom Feinsten in Paris, London, Düsseldorf, München und bis nach Wien und Warschau. Immobilien-Veteranen sind diese Edelsteine bekannt, mit Namen und Adressen. (Folglich auch der Banken- & Börsenaufsicht...)

    Die Crux mit der Geschichte: Keinem noch so gut vernetzten Real Estate Broker mit besten Vorstandskontakten gelingt es, diese Werte in den Verkaufsprozess zu bringen. Obwohl die de-jure-Eigentümer mehr pleite als lebendig sind und dringend Liquidität benötigen. Das Procedere wird seitens der de-facto-Eigentümer - den Hypotheken-Gläubigern, also Banken - blockiert. Und: Die Preise bleiben in den Wolken. Genau dort, wo die Kreditgeber sie hingezockt haben und wo sie in den Bankbilanzen begraben sind (um im Bild der Kreditleichen zu bleiben).

    Der nächste Schritt: Die wertvollen "Leichen" werden in eine Bad Bank entsorgt, bis der de-jure-Eigentümer pleite ist oder zumindest nach dem Strohhalm greift.
    Der übernächste Schritt: Sodann werden sie wieder lebendig, "kosten" nur noch die Hälfte und... gehören der Bank. Ohne Cash, verrechnet mit der alten Hypothek. Erst dann kann man die feinen Sachen kaufen. Von der Bank, mit fettem Aufschlag.

    Wundersame Geldvermehrung.
    Die Geschichte wiederholt sich. Bekanntlich so oft, bis es alle kapiert haben.

  • 11.02.2010 20:49:07 Uhr   Bernhard: Der Patient stirbt!
  • 11.02.2010 20:32:08 Uhr   Auslandsdeutscher: Aufklärung statt Romantik
  • 11.02.2010 17:56:31 Uhr   Valorian: Gut (aber etwas indifferenziert)
  • 11.02.2010 17:14:43 Uhr   fokus: GR Schulden
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