FTD.de » Politik » Europa » Thomas Fricke - Experiment am lebenden Griechen

Merken   Drucken   04.03.2010, 19:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Experiment am lebenden Griechen  

Die Kanzlerin drängt Athen zu etwas, was sie im eigenen Land als kontraproduktiv ablehnt: Mitten in der Rezession radikal zu konsolidieren. Ein waghalsiger Versuch, der auch für Deutschland teuer werden kann. von Thomas Fricke 
Bei Ökonomen ist derzeit in Mode, wirtschaftliche Phänomene am lebenden Objekt zu testen statt in abstrakten Modellen. Das ist prima. Und die Griechen haben gerade beste Chancen, zu Kollektivprobanden eines großen wirtschaftspolitischen Experiments zu werden. Immerhin hat in der Weltgeschichte noch keine Regierung versprechen müssen, so schnell und rabiat ein Staatsdefizit abzubauen - um ein Zehntel der Gesamtwirtschaftsleistung in drei Jahren. Und zwar mitten in der Rezession, was bekanntlich alle anderen Regierungen der Welt als wirtschaftlich kontraproduktiv bis zwecklos ablehnen.
Entsprechend offen scheint, wie das Experiment am lebenden Griechen ausgeht. Es ist gut möglich, dass die Probanden als abschreckendes Beispiel dafür enden, wie man es nicht macht. Dann könnte der große deutsche Lehreifer auf die Deutschen zurückschlagen.
Für Griechenland gelten andere Regeln

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  • Aus der FTD vom 05.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 07.03.2010 19:42:25 Uhr   fokus: Lösung parat?

    Was haben die ganzen Rettungsmaßnahmen, auch die Fränkli für Fränkli, bewirkt? Hat die UBS jetzt die Finger von der Spekulation gelassen? Nein, sie hat sich an der Spekulation über die Hilfen für Griechenland mit beteiligt. Der ganze erzieherische Effekt war für die Katz. Was für Strafen denken Sie sich für die UBS jetzt aus damit der erzieherische Effekt wirkt?

    Was werden die deutschen Steuergelder bewirken? Das System lebt weiter, wohl auch gerade durch die Rettungsmaßnahmen. So hat die Bafin ein Spekulationsvolumen von 87 Mrd. Euro um Griechenland ausgemacht. Das Ponzisystem hat erst vor kurzem seine Leerverkäufe zurückerhalten. Die Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen ist geradezu explodiert. Die Anleger wollen von den hohen Zinsen profitieren und erwarten, dass die Risiken der deutsche Steuerzahler übernimmt. Kein Wunder, dass die Jagd auf griechische Staatspapiere angeheizt wird, denn die Versicherung des Risikos übernimmt jetzt offenbar, wie von den Anlegern vorausgesehen, der deutsche Steuerzahler. Das ist wieder ein Beispiel dafür, wie die Erwartung auf Staatshilfen jede ökonomische Vernunft außer Kraft setzt. Mit Marktwirtschaft hat das nichts mehr zu tun.

    Eine Isländerin hat es gerade in den Nachrichten auf den Punkt gebracht: Wir zahlen nicht für ein System, das nicht funktioniert!

  • 07.03.2010 11:04:34 Uhr   (N)eidgenosse: Schweizer UBS-Rettung
  • 07.03.2010 08:37:45 Uhr   Cangrande: Klug sind Sie, Herr Fricke ...
  • 06.03.2010 15:58:39 Uhr   fokus: Schweiz, wie bitte?
  • 06.03.2010 08:21:50 Uhr   (N)eidgenosse: Neue EU nach Schweizer Art ?
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