Teil 2: In Italien steigen die Risikoprämien, in den USA sinken sie
Unter den Journalisten, die über die anhaltende Finanz- und Staatsschuldenkrise berichten, gehört Herr Fricke sicherlich zu den Verlierern.
Er hätte am liebsten gleich zu Beginn der Probleme in der Eurozone ein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt, für das vor allem Deutschland in der Haftung gestanden hätte. Herr Fricke ist auch sehr frühzeitig für die Einführung von Eurobonds eingetreten.
Die Probleme in Griechenland hat Herr Fricke in einer Art und Weise verharmlost, die kaum erträglich ist. Vor Wochen schrieb er, dass es nun mal gut sei mit Griechenland und man die öffentliche Beschäftigung mit diesem Land mal für einige Zeit aussetzen solle. Eine grandiose und Fricke-exclusive Fehleinschätzung! Nicht zuletzt die FTD selbst hat nach der Verkündigung des Herrn Fricke weiter jeden Tag über Griechenland berichtet und musste das auch tun.
Was Herr Fricke nicht realisiert hat, ist die Tatsache, dass der Schlüssel zur Lösung der Probleme und für eine zukunftsfähige Eurozone bei den Staaten selbst liegt. Nur wenn die ihre Schulden abbauen und notwendige Strukturreformen umsetzen, machen sie sich und die gesamte Eurozone unangreifbar.
Die Einnahmen Griechenlands würden sich mit einer funktionierenden Steuerverwaltung, dem Eintreiben der Steuern (auch bei den reichen Leuten) und dem Abbau des Staatsbediensteten-Wasserkopfes enorm verbessern. Parallel dazu muss die Wirtschaftsstruktur aufgebaut werden.
Wenn Schulden abgebaut und schmerzhafte Reformen durchgeführt werden, dann geht es natürlich erst mal vorübergehend schlechter, bis es dann aufwärts geht.
Italien hat zwar gigantische 1,9 Billionen Euro Schulden, ist aber tatsächlich stark genug, sich selbst zu helfen.
Hätten Berlusconi und seine Regierung glaubwürdige Sparanstrengungen und Strukturreformen vertreten und auf den Weg gebracht, dann wäre Italien garnicht in den Focus gerückt und wäre nicht angreifbar gewesen.
Was Herr Fricke übersieht ist aber, dass der zutiefst unseriöse Berlusconi und seine Regierung das in diesen Zeit so enorm wichtige Vertrauen verspielt haben. Wer wie Berlusconi sogar die EZB linkt und nach dem Aufkauf von italienischen Anleihen vorher beschlossene Reformen wieder zurückzieht, dem glaubt man nichts mehr. Leute wie der angesehene Unternehmer Montezemolo und die Vorsitzende der italienischen Unternehmerverbände sagen schon seit Monaten, dass die Regierung versagt habe und zurücktreten solle und dass endlich notwendige Struturreformen für die Wirtschaft umgesetzt werden müssten.
Richtig ist, dass die Eurozone besser dasteht als z. B. die USA, Japan oder Großbritannien. Die USA haben eine mehr als doppelt so hohe Neuverschuldung und eine viel höhere Gesamtverschuldung, ohne dass notwendige Reformen in Sicht wären. Hier muss man auch die Rolle der Ratingagenturen hinterfragen. Vor allem müssen aber die Staaten glaubwürdig handeln und ihre Schulden abbauen.