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14.10.2011, 11:00
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Kolumne:
Thomas Fricke - Huch, der Patient ist tot
Deutschlands Krisenprediger drängen andere Länder zu Radikalkuren, die hierzulande aus guten Gründen keiner machen würde. Und wundern sich jetzt, dass die Krise eskaliert.
von Thomas Fricke
Kolumnisten müssen die Größe haben, von ihrer Meinung auch einmal abzukehren. Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle empfohlen, das Wort Griechenland bis Weihnachten auf den Index zu setzen. Seitdem hat Günther Jauch zwar stattdessen lobenswerterweise schon mal über den "Wegwerf-Wahnsinn" in deutschen Haushalten debattiert. Ich sehe aber ein, dass sich die Forderung derzeit nicht ganz aufrechterhalten lässt. Nicht weil Griechenland plötzlich doch ökonomisch wichtig ist. Sondern weil das, was den Griechen empfohlen wird, ins Desaster zu führen droht - was Lehren dafür birgt, wie die eskalierende Krise im Euro-Raum noch zu stoppen ist.
Thomas Fricke
Die Griechen haben ja nicht per se zu wenig konsolidiert. Sie mussten eher zu viel auf einmal machen. Was selbst die Deutschen nie gemacht hätten und ökonomisch ohnehin fast nie funktioniert. Das kriegen derzeit das griechische Testvolk wie die Briten zu spüren. Dabei haben gerade die Deutschen mit dem Gegenteil dessen, was sie gern predigen, zuletzt tolle Erfahrung gemacht: mit schlauem Sparen im Aufschwung statt kopflosen Kürzen in der Rezession.
Großspurig gestartete Briten
Die Zwischenbilanz derer, die seit 2010 besonders rabiat konsolidieren wollten, ist zunehmend ernüchternd. Das gilt entgegen allem Geunke für Griechenland, wo das konjunkturbereinigte Strukturdefizit des Staates nach einer Salve von Kürzungen und Steuererhöhungen 2011 allein um vier Prozent der Wirtschaftsleistung sinkt, wie der Internationale Währungsfonds schätzt. Das Gesamtstaatsdefizit stagniert trotzdem.
Hohe Schulden trotz Sparwut
Es gilt auch für den finanzpolitisch großspurig gestarteten britischen Premier, der das Strukturdefizit zwar um zwei Punkte (immerhin) runterprügelte. Das Gesamtdefizit dürfte 2011 trotzdem noch bei sage und schreibe neun Prozent liegen.
Das Dilemma ist immer dasselbe. Mit Einsetzen von Kürzungen und höheren Abgaben bricht keine Begeisterung aus, wie es althergebrachte Ökonomen postulieren - sondern die Konjunktur weg, was zu Arbeitslosigkeit, Rezession und (radikalkurbedingt) wieder steigenden Staatsdefiziten führt. Weil dem Staat dann die Steuereinnahmen fehlen.
Vor lauter Kürzen schrumpft Griechenlands Wirtschaft 2011 mittlerweile um fünf Prozent, statt zu wachsen. Seit 2008 ist das BIP um zehn Prozent gefallen, was nach Faustformeln fünf Punkte mehr Defizitquote bringt, die anderweitig nun wieder abzubauen ist. Eine Groteske. Die britische Wirtschaft dürfte 2011 wegen Radikalkurfolgen nur noch um ein Prozent wachsen - statt um 2,5 Prozent. Same problem.
Teil 2: Das ist dann wie Schwimmen mit Betonreifen
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Aus der FTD vom 14.10.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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