Lieber John Doe, mein Hauptpunkt ist ja zunächst Herrn Frickes Aussage, nun sei es ja mal gut mit Griechenland und man müsse dieses Thema auf den Index setzen. Wie das ein Journalist sagen kann, ist mir schleierhaft. Denn Griechenland ist nun mal das (Medien-)Thema schlechthin und wird es auch bleiben.
Dann verharmlost Herr Fricke die griechischen Probleme noch stark.
Um die öffentlichen Aufgaben für die Allgemeinheit zu erledigen (Straßen, Schulen, Polizei usw.) braucht der Staat Geld in Form von Steuern und Abgaben. In Deutschland verfügt der Staat über eine im Weltmaßstab gesehen ausreichende Steuerquote.
Wenn die griechischen Steuerbehörden nicht in der Lage waren, 40 Millarden Euro an bereits per Bescheid angeforderten Steuern einzutreiben, dann spricht das genauso für sich wie eine jährliche Steuerhinterziehung von 30 Millarden Euro.
In den USA haben es die Tea-Party-Leute in der Tat verhindert, dass Obama ausreichende Steuern erheben kann.
Griechenland hat mit Einführung des Euro günstige Zinsen bekommen, hat dieses "Geschenk" aber nicht dazu genutzt, Strukturen an internationale Standards anzupassen. Statt dessen wurde unter anderem ein Wasserkopf von Staatsapparat aufgebaut mit zahllosen überflüssigen öffentlichen Institutionen und hunderttausenden Staatsbediensteter, die auch noch überdurchschnittlich entlohnt werden.
Wenn bei insgesamt 4 Millionen Arbeitnehmern fast 1 Million im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, ist das ein unglaublicher Mühlstein am Hals des Staates.
Ausländische Investoren kann man aber nur anziehen, wenn man den eigenen auch durch erhebliche Korruption und Ineffizienz geprägten "Saustall" in Ordnung bringt. Es ist ja noch nicht einmal klar, wer Eigentümer von Grundstücken ist.
Aber auch die heimische Wirtschaft leidet unter wirtschaftsfeindlicher Bürokratie, wirtschaftsfeindlichen Vorschriften und der Abschottung ganzer Berufsgruppen, für die nur ausgewählte Leute Lizenzen bekommen.
Der griechische Ministerpräsident und der Finanzminister haben schon viele schöne Reden gehalten, aber zentrale Versprechen wurden zunächst nicht umgesetzt oder es wurde versucht, sie auf irgendwann in der Zukunft zu verschieben. Griechenlands enormes Schuldenproblem (160 % des BIP, 350 Mrd. Euro) muss gelöst, der aufgeblähte Staatsapparat Stück für Stück abgebaut und dringende Strukturreformen durchgeführt werden, die sowohl die heimische Wirtschaft fördern als auch Vertrauen für ausländische Investoren schaffen.
Ihr richtiger Hinweis, dass ja Bankkredite nach Griechneland geflossen sind, hilft uns jetzt nicht bei der Lösung (siehe oben). Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, muss man sehen, wie man es wieder rausholt.
In der Eurozone arbeitet man an einer Lösung für Griechenland (evtl. größere Umschuldung), die möglichst nicht Schwergewichte (Italien) in Gefahr bringen soll. Denn das wäre dann die Katastrophe schlechthin.