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Merken   Drucken   30.09.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Jetzt ist auch mal gut mit Griechenland

Seit zwei Jahren wird bei uns über die Griechen eigentlich immer das Gleiche gesagt. Höchste Zeit, das Land mal für ein paar Wochen auf den Index zu setzen. Das könnte Wunder wirken. von Thomas Fricke 
Es gab mal Zeiten, da hat sich kein Schwein für Griechenland interessiert. Das ist seit zwei Jahren anders. Seitdem vergeht bei uns kein Tag, an dem nicht irgendein Politiker feststellt, wie pleite der Grieche ist. Und was der Grieche wieder für Geld ausgegeben hat. Und ob wir dem Griechen wirklich helfen sollen. Tagein, tagaus. Grieche hier, Grieche da. Egal ob der Grieche zwischenzeitlich spart oder nicht. Und ob der Grieche wirklich unser größtes Problem ist.
Vielleicht wäre es nach wochenlanger Qual ums Votum unserer Abgeordneten zum Rettungsschirm gut, Griechenland für, sagen wir, zwei Monate verbal auf den Index zu setzen. Warum nicht ein kleines Gesetz, das bis Weihnachten verbietet, "Griechenland" zu sagen? Kein Denkverbot, klar. Nur ein befristetes Sprachverbot. Das könnte Wunder wirken.
Griechen sind nicht die Krise
Die griechischen Schulden sind für Griechenland zwar hoch, global aber eher niedlich. Was der Grieche in Jahrzehnten an Schulden mühsam gesammelt hat, gibt der US-Präsident im laufenden Geschäft mal eben fürs neue Konjunkturpaket aus. Jetzt können Sie sagen, dass wir für den Griechen auch bürgen müssen. Klar. Nur bürgen wir längst ja auch für andere. Und wenn die Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds jetzt noch mal erhöht werden muss, liegt das ja nicht daran, dass die Griechen mehr brauchen, sondern daran, dass die immer groteskere Marktpanik auf Italien und Spanien überzuspringen droht, was für uns selbst desaströs wäre.
Globales Leichtgewicht   Globales Leichtgewicht
Würden wir uns ein paar Wochen einfach mal mit anderem beschäftigen, hätte das eine Menge Vorteile. Dann müsste man nicht fünfmal am Tag den blöden Spruch hören, dass alle Griechen ja mit 57 in Rente gehen, während wir bis, ach, ins hohe Alter schuften - was beides Legenden sind: Der Grieche geht im Schnitt mit deutlich über 60 in Rente und die Deutschen auch nicht viel später.
Dann müssten wir nicht mehr täglich schenkelklopfende Besserwisser ertragen, die wieder mal zu berichten wissen, dass selbst ein Grieche jetzt gesagt habe, wie furchtbar die griechische Bürokratie ist. Das kennen wir Deutschen natürlich gar nicht.
Noch ein Vorteil: Wenn wir nicht mehr über Griechen schimpfen dürften, könnten wir in Ruhe mal wieder im Jahresbericht des hiesigen Bundesrechnungshofs stöbern und entdecken, dass der Bürgermeister von Huttentuttenheim mit Steuermitteln seinen Privatpool saniert hat. Ach, wie schön. Dann könnte der BDI zum Industrietag auch wieder zukunftsweisendere Leute einladen als den Premier eines kleinen Randlandes.

Teil 2: Rösler hat neue Panik geschaffen

  • Aus der FTD vom 30.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 11.10.2011 11:07:18 Uhr   Verwunderter Leser: Herr Fricke ist völlig von der Rolle

    Vielleicht sollte Herr Fricke mal einen längeren Urlaub machen oder Kolumnen zu anderen Themen schreiben.
    Ein Journalist, der sich in Sachen "Griechenland" derart vertut und sogar sagt, man solle Griechenland auf den Index setzen und sich mal ein paar Wochen mit etwas anderem beschäftigen, den kann man beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen. Dazu fällt einem auch nichts mehr ein.
    Griechenland ist bekanntlich das kleine Streichholz, welches einen Flächenbrand verursachen kann. Und natürlich ist Griechenland auch seit dieser Kolumne des Herrn Fricke weiterhin das alles bestimmende Thema in allen Medien, in der Politik, im Büro und auf der Straße. Jeder wusste das und jeder hat das realisiert, nur Herr Fricke nicht. Was will uns Herr Fricke künftig noch sagen? Ernst genommen wird er nicht mehr, zumal auch andere Kolumnen von ihm eine ähnliche "Qualität" haben.

  • 05.10.2011 03:08:29 Uhr   John Doe: @Steuerprüfer
  • 04.10.2011 18:45:50 Uhr   Steuerprüfer: @ John Doe: Fricke argumentiert schwach
  • 04.10.2011 16:05:46 Uhr   John Doe: @Steuerprüfer
  • 04.10.2011 10:22:23 Uhr   Steuerprüfer: journalistische Bankrotterklärung
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