FTD.de » Politik » Europa » Thomas Fricke - Und am Ende rettet uns die Notenbank

Merken   Drucken   22.07.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Und am Ende rettet uns die Notenbank

Trotz aller Gipfelbeschlüsse droht die nächste Eskalation der Merkel-Krise - bis Europas Währungshüter als letzte Instanz die absurde Marktpanik (endlich) stoppen. von Thomas Fricke 
In Deutschland gilt die Sache als verpönt. Eine Notenbank soll Zinsen setzen, keine Staatsanleihen kaufen. Weil sonst alles durcheinandergerät. Und Inflation droht. Das zieht. Gut möglich allerdings, dass Europas Notenbanker genau das bald in akuter Not tun müssen. Und dass die Krise dann erst vorbei ist. Spätestens wenn sich herausstellt, dass auch die Krisengipfelbeschlüsse vom Donnerstag nicht reichen, um den Vertrauensschwund der Märkte zu stoppen.
Vielleicht sollten die Notenbanker sogar so schnell wie möglich in Aussicht stellen, dass sie im Notfall massig Staatsanleihen kaufen. Wenn das glaubwürdig ist, würde es jeder neuen Panik den Boden entziehen. Das wäre dann Krisenbekämpfung via positive Abschreckung - ohne Nebeneffekte.
Die europäische Idee wird durch die Schuldenkrise ...

 

Die europäische Idee wird durch die Schuldenkrise ...

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Vermeintliche Wunderkraft
Im Kern geht es in Finanzkrisen darum, Anlegern auf irgendeine Weise zu vermitteln, dass sie ihr Geld beim Kauf von (diesmal) Staatsanleihen wiedersehen - dass das betreffende Land es schon irgendwie hinkriegt. Und die Frage ist, ob das noch auf konventionelle Art machbar ist. Ob über harte Sparprogramme, die nur die Wirtschaft schwächen, oder modische Schuldenschnitte, die Dominoeffekte und Spekulation befördern: Wenn Griechenland umgeschuldet wird, ist dann nicht auch möglich, dass bald Portugal folgt? Und Irland?
Spätestens seit Italien Anfang Juli unter Druck geraten ist, müssten auch begeisterte Marktversteher zu zweifeln beginnen, ob es da noch um nüchterne Bewertung geht. Als Grund für das Hochschnellen italienischer Risikoprämien gilt, Achtung, dass Premier und Finanzminister lautstark gestritten haben. Sapperlot! Das kennt man vom Italiener sonst gar nicht. Wenn solche Politunglücke reichen, damit ein Land - anders als monatelang von Marktgurus gesagt - plötzlich doch unter Pleiteverdacht gerät, wäre die halbe Welt pleite.
Das Ding in solchen Finanzkrisen ist, dass sich der Vertrauensverlust irgendwann verselbstständigt. Dann nährt der Zweifel der einen den Zweifel der anderen, weshalb Ratingagenturen, die das verstärken, dann auch nicht mehr hilfreich sind. Dann springen mit jeder ausbleibenden Positivnachricht Anleger ab, wodurch noch mehr Geld fehlt, um die Staatspleite abzuwenden. Menschlich, aber fatal.

Teil 2: EZB-Ankündigung könnte reichen

  • Aus der FTD vom 22.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 24.07.2011 16:30:14 Uhr   Karin Jörges: "ALLES wieder GUT": Stück "Re...

    FTD/Das Kapital - "Alles wieder gut"
    21.7.11 (www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-alles-wieder-gut/60082182.html)

    "Nun, da das leidige Griechenland-Thema endgültig vom Tisch ist, darf man auch mal wieder auf die schöneren Seiten des Wirtschaftslebens blicken. Haben sich die Aktienanleger am Donnerstag gesagt. Was sie wohl entdeckt haben?

    Jetzt, da Griechenland endgültig gerettet ist, darf man sich auf den Märkten auch mal wieder den helleren Seiten des Lebens zuwenden. Das vom IWF für 2011 prognostizierte Staatsdefizit der Industrieländer von 6,9 Prozent des BIPs etwa kann nun ebenso als Schnee von gestern gelten wie der Schuldenstand von 103 Prozent. Die Banken sind saniert, die Privatschulden abgetragen. Die Wirtschaft der Industrieländer läuft wie geschmiert, da können Europas Einkaufsmanager sagen, was sie wollen.
    .."

  • 23.07.2011 18:22:35 Uhr   Hermann Gattner: PARLAMENTS-Verulkung in SPE (1-2)
  • 23.07.2011 18:17:32 Uhr   Hermann Gattner: PARLAMENTS-Verulkung in SPE (2-2)
  • 23.07.2011 11:44:21 Uhr   Seismograph: Herr Fricke hat nichts verstanden
  • 23.07.2011 11:36:13 Uhr   Kümmel: Und am Ende rettet uns die Notenbank
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