Vereinfachungen sind manchmal gut, aber hier führt Herrn Frickes Schwarz-Weiß-Sicht (Wollt Ihr Inflation oder Deflation?) nicht weiter, ja sie ist sogar völlig fehl am Platze. Die Kolumne überzeugt mich nicht.
Das von Herrn Fricke so sehr favorisierte angelsächsische Modell (USA, GB) ist nicht nur weitgehend gescheitert, sondern auch mitverantwortlich für die seit Jahren nicht enden wollenden Krisen.
Es ist fast schon putzig, wenn Herr Fricke meint, der Geldfluter Ben Bernanke könne kontrolliert aussteigen und eine hohe Inflation gezielt verhindern. Also da kommen schon Zweifel an Herrn Frickes Kompetenz auf.
Nicht nur das hemmungslose Gelddrucken kann für die Eurozone kein Vorbild sein, auch die Verweigerung der USA und GB, die Finanzmärkte effektiv zu regulieren, führt zu immer neuen Krisen und verhindert eine wirksame Lösung und Vorbeugung.
Die US-Regierung und die GB-Regierung befinden sich am Gängelband der Wall Street bzw. der Londoner City. Die USA und GB schützen ihre Finanzplätze zu Lasten der übrigen Welt. Es darf aber nicht sein, dass Derivate etc. weiter in gigantischem Ausmaß außerhalb einer Börse gehandelt werden dürfen, um nur ein Beispiel zu nennen.
Warum prangert Herr Fricke diese Dinge nicht mal?
Wäre man den Rezepten des Herrn Fricke beim Ausbruch der Krise gefolgt, dann wären in der Eurozone mittel- bis langfristig griechische Verhältnisse entstanden. Eine Stabilitätskultur in der gesamten Eurozone hätte sich nicht mal ansatzweise gebildet und Deutschland wäre mit untergegangen.
Beim Gipfel der letzten Tage haben Merkel und Sarkozy einen ungeheuren Erfolg erzielt. Außer Großbritannien wollen alle anderen Staaten der EU, sowohl in als auch außerhalb der Eurozone, mit der ungehemmten Staatsverschuldung Schluss machen und haben sich einem Stabilitätspakt verpflichtet.
Gleichzeitig will man aber auch die wirtschaftliche Entwicklung fördern und die Regierungschefs der Eurozone werden monatlich die Themen zur Angleichung der Wirtschafts- und Finanzpolitk abhandeln.
Merkel hat jetzt die mittel- und langfrisitig stabile Grundlage, die sie die ganze Zeit wollte, um auf dieser Grundlage auch mal unkonventionellen Maßnahmen zustimmen oder auch bei der EZB mal vorübergehend ein Auge zudrücken zu können.
Diese Zielrichtung und Strategie hat Herr Fricke zu keinem Zeitpunkt verstanden, was schon erstaunlich ist.
Am Ende geht es darum, sowohl eine Deflation als auch eine viel zu hohe Inflation zu verhindern, das aber mit einem Maßnahmebündel, welches sich vom angelsächsischen Modell unterscheidet und welches die Stabilität der Eurozone nicht mittel- und langfristig aufs Spiel setzt.
Jetzt besteht die realisitische Chance, dass unsere Kinder nicht in unverantwortlicher Weise mit Altschulden belastet werden.
Aber wird das auch für die Kinder der Leute in den USA gelten? Ich glaube nicht, dass die völlig überschuldete und reformunfähige USA und der Geldfluter Bernanke das geregelt bekommen.