Gefährdet Bislang blieben einige der Euro-Nordländer von den Verwerfungen im Süden unberührt - das hat sich inzwischen geändert. Das Musterländle Finnland hat zwar nur kleine Haushaltssorgen. Mit der Konjunktur geht es aber rasant bergab. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Frühjahr um 1,0 Prozent zum Vorquartal - abgesehen von Portugal verzeichnete keine Euro-Volkswirtschaft einen derart kräftigen Einbruch. Experten erwarten auch fürs dritte Quartal ein leichtes Minus - damit wäre auch die Vorzeigevolkswirtschaft wieder in der Rezession. Um eine solche sind Deutschland und Österreich bislang herumgekommen. Zwar schrumpfte das deutsche BIP Ende 2011 leicht. Seitdem gab es aber zwei Zuwächse hintereinander. Österreich musste in den vergangenen beiden Jahren kein einziges Minus hinnehmen - damit gehört die Wirtschaft zu den stabilsten in Europa. Doch auch hier verdüstert sich der Ausblick.
Sichtlich angeschlagen Die gute Nachricht vorab: Die Statistiker in Belgien und den Niederlanden revidierten die nationalen BIP-Daten zuletzt nach oben. Entsprechend fiel der Abschwung zum Jahreswechsel in beiden Ländern weniger heftig aus. Die niederländische Wirtschaft wuchs nach am Dienstag gemeldeten Zahlen im ersten und zweiten Quartal leicht - um je 0,2 Prozent. Allerdings belastet dort die hohe Verschuldung der privaten Haushalte Experten zufolge auch in den kommenden Monaten. Sowohl für die Niederlande als auch Belgien erwarten Fachleute in der zweiten Hälfte 2012 kaum Besserung. Frankreichs Wirtschaft tritt bereits seit Mitte 2011 auf der Stelle. Fürs zweite Quartal wurde am Dienstag ebenfalls nur Stagnation gemeldet. Die Notenbank befürchtet fürs Sommerquartal ein kleines Minus. Weil Paris an den EU-Sparzielen festhält, stehen auch 2013 konjunkturbelastende Einschnitte an.
Wenig Hoffnung Das konjunkturelle Nord-Süd-Gefälle im Währungsraum hat im Frühjahr wieder zugenommen. Die Rezession in den kriselnden Euro-Südländern verschärfte sich deutlich: Portugals Wirtschaft büßte gegenüber dem Vorquartal mit minus 1,2 Prozent stärker ein als jedes andere Land. Für Griechenland schätzen Fachleute das Minus auf Basis der offiziellen unbereinigten Zahlen auf rund 0,8 Prozent - zu Jahresbeginn gab es dort immerhin ein leichtes Plus von etwa 0,5 Prozent. Bereits vor einigen Tagen wurden sehr schwache Zahlen für die beiden Euro-Schwergewichte Spanien und Italien gemeldet. Neben den Sparprogrammen belastete die akute Krisenpanik. Konsumenten warteten mit neuen Anschaffungen ab, Unternehmen schreckten vor Investitionen zurück. Entsprechend sank Italiens BIP zum vierten Mal in Folge, im Frühjahr um 0,7 Prozent. Spaniens Wirtschaftsleistung fiel um 0,4 Prozent.