Kopf des Tages:Ivo Josipovic - Zagreber Sinfoniker
Als neuer kroatischer Präsident soll Ivo Josipovic sein Land in die EU führen. Eine Idealbesetzung: Der Komponist weiß sich nicht nur zu benehmen - er kennt sich auch mit der Jagd auf Kriegsverbrecher aus. von Nils Kreimeier
Wenn Ivo Josipovic demnächst seine ersten Sonntagsreden halten wird, kann er für die musikalische Untermalung gleich selbst sorgen: Als ausgebildeter Komponist hat Kroatiens künftiger Präsident bereits eine ganze Reihe eigener Werke auf Schallplatte oder CD veröffentlicht. Mit dem, was sich unbedarfte Mitteleuropäer unter Balkanmusik vorstellen, haben die Werke Josipovics allerdings nicht viel zu tun. Seine modernen Stücke wie "Glasperlenspiel" oder "Tausend Lotusblüten" sind nicht für die regionstypischen Blaskapellen gedacht, sondern ein Fall für Kammerorchester und Konzertpianisten.
Der neue kroatische Präsident Ivo Josipovic will das Land in die EU führen
Sein bildungsbürgerlicher Hintergrund macht Josipovic zu einer politischen Ausnahmeerscheinung auf dem Balkan. Seit dem Zerfall Jugoslawiens dominieren dort kräftig gebaute Machos, die sich gern patriotisch und raubeinig geben. Der 52-jährige Josipovic hingegen ist ein Mann der friedlichen Töne. Nach dem Krieg zwischen Serben und Kroaten zog er sich für viele Jahre aus der Politik zurück. Heute findet er vor allem in der städtischen Bevölkerung seine Anhänger. Auf dem Land und bei den Auslandskroaten wirkt einer wie er aber immer noch wie ein Fremdling. Nach seiner Wahl sprach er von einer "siegreichen Sinfonie".
Doch vielleicht war es genau dieser zurückhaltende Zug, der ihn für eine deutliche Mehrheit der Kroaten zu einem geeigneten Präsidenten machte. Er muss das Land durch eine heikle Phase führen: Kroatien will die Verhandlungen mit der EU 2010 abschließen und der Gemeinschaft schon 2012 beitreten. Da ist ein kultivierter, als integer geltender Staatschef genau der richtige Vertreter nach außen.
Hinzu kommt, dass Josipovic sich als Spezialist für internationales Strafrecht auch bestens mit der Verfolgung und Aufklärung der Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien auskennt. International für Aufsehen sorgte bereits sein Hinweis, eine Völkermordklage gegen das benachbarte Serbien könne unter Umständen zurückgezogen werden - ein Schritt, der zur Versöhnung mit Belgrad beitragen würde.
Für die kroatische Regierung, die unter der seit einem halben Jahr regierenden Jadranka Kosor ein neues Bild von ihrem Land vermitteln möchte, ist Josipovic ein Glücksfall. Zwar entstammt der neue Staatschef der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei und hatte im Wahlkampf mit Kritik an den regierenden Konservativen nicht gespart. Doch dürfte Kosors Kurs gegen Korruption und gegen die Männerbünde des alten Kroatien bei dem neuen Präsidenten Unterstützung finden. Die Ministerpräsidentin sagte denn auch gleich nach der Wahl, sie gehe fest von einer "guten Zusammenarbeit" mit Josipovic aus.
Womöglich gelingt es beiden tatsächlich, ihr Land nach dem erhofften Zeitplan in die EU zu führen. Zur Feier des Tages könnte dann in Zagreb ein elegisches Orchesterstück erklingen - geschrieben natürlich von Ivo Josipovic.
Die Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff grenzten zuletzt ans Lächerliche, die neuen tun es nicht: Sie legen den Verdacht einer Vorteilsnahme nahe. Es könnte eng werden. mehr
Auf seinen umjubelten Empfang in Damaskus darf sich Sergej Lawrow nichts einbilden. Es waren Assads Hofschranzen, die dem russischen Außenminister Dankeshymnen entgegenbrachten. mehr
In Zeiten der Euro-Krise rücken Deutschland und Frankreich so dicht zusammen wie selten. Die Wahlkampfunterstützung Merkels für Sarkozy könnte sich allerdings als Rohrkrepierer erweisen - wenn er die Wahl verliert. mehr
Im Kampf gegen eine Pleite Griechenlands ändert sich die Zielrichtung. Es geht weniger um die Rettung an sich, sondern darum, bei der möglicherweise doch eintretenden Insolvenz des Landes das Gesicht zu wahren. mehr
Die Ereignisse im Fußballstadion von Port Said werfen Fragen auf nach etwaigen Hintermännern. Doch die Opposition macht es den Machthabern auch sehr leicht. mehr
Aus Sicherheitsgründen möchten wir Ihre E-Mail-Adresse bestätigen.
Klicken Sie bitte dazu den Aktivierungs-Link, den wir Ihnen
gerade per E-Mail an zugesendet haben.
Die Bundeswehr streicht mehrere tausend Arbeitsplätze. Ein Teil der betroffenen Mitarbeiter kommt bei anderen Ressorts unter - die Ministerien wollen 1500 Stellen vorrangig mit Zivilbeschäftigten besetzen. mehr
Mit harten Bandagen wird die Athener Regierung gezwungen, ein neues Milliarden-Hilfsprogramm abzusichern. Europa gibt Griechenland eine Woche Zeit, um die Bedingungen für das Rettungsprogramm zu erfüllen. mehr
In der syrischen Protesthochburg Homs können Ärzte kaum noch die Verletzten versorgen. Mehr als 100 Menschen sollen wieder vom Assad-Regime getötet worden sein. Die internationale Diplomatie reagiert entsetzt. mehr
Die Reformen sollen dazu führen, dass das Land schneller auf die Beine kommt. Experten bezweifeln diesen Effekt. Die Arbeitslosenquote in Griechenlands übersteigt bereits 20 Prozent. mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!