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Merken   Drucken   03.07.2011, 20:33 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Jacek Rostowski - Selbstbewusster Neuling

Polens Finanzminister will als neuer Chef des EU-Finanzministerrats ein gewichtiges Wort beim Euro mitreden - obwohl sein Land noch gar nicht zur Währungsunion gehört. von Peter Ehrlich  Warschau
Jacek Rostowski  sitzt im Saal der Warschauer Börse, hinter sich Bildschirme mit den Kursen vom Vortag und dem Logo der polnischen EU-Ratspräsidentschaft. Es ist erst der zweite Tag der Präsidentschaft, aber der frischgebackene Chef des EU-Finanzministerrats (Ecofin) hat schon Großes vor. Er will in der Euro-Gruppe mitreden, obwohl sein Land nicht Mitglied der Euro-Zone ist.
Polens Finanzminister Jacek Rostowski   Polens Finanzminister Jacek Rostowski
Wenige Stunden später wird es dann schon so weit sein: Am Samstagabend wird Rostowski zur Videokonferenz der Euro-Finanzminister zugeschaltet. Sein Argument: Teile der Verabredungen in dem exklusiven Kreis landen am Ende doch bei der Gruppe aller 27 EU-Finanzminister. Wenn etwa private Banken zu freiwilliger Hilfe für Griechenland gedrängt werden, sind auch die aus Nicht-Euro-Ländern gemeint. "Der Chef des Internationalen Währungsfonds hat an der letzten Sitzung der Euro-Gruppe teilgenommen, aber nicht der Vorsitzende des EU-Finanzministerrats, das ist doch seltsam", empört sich Rostowski.
Mit dieser Merkwürdigkeit ist es vorbei. Rostowski parliert so gekonnt mit dem anderen Neuling der Runde, Frankreichs Finanzminister François Baroin, dass der den Polen für sein akzentfreies Französisch lobt.
Polen macht so gleich zu Beginn seiner halbjährigen Ratspräsidentschaft deutlich, dass es sich durchaus als wichtigen Spieler in der Europäischen Union sieht. Mit 38 Millionen Einwohnern das sechstgrößte Land, ist Polen der wirtschaftliche Anführer der mittelosteuropäischen Länder. Seine Volkswirtschaft ist als einzige im Krisenjahr 2009 nicht geschrumpft, und auch für die nächsten Jahre sieht es sich in der Spitzengruppe. "Ich sehe keinen Grund, warum die Wirtschaft in diesem und in den nächsten Jahren nicht jeweils um rund vier Prozent wachsen sollte", verkündet Rostowski.
Der in London geborene und an der London School of Economics ausgebildete Ökonom ist seit 2007 Finanzminister der Regierung von Donald Tusk. In der Krise öffnete er früher als andere die Schleusen für Ausgaben und begann früher mit dem Sparen. Das Haushaltsdefizit will er bis 2015 auf null senken, die Gesamtverschuldung von etwa 55 Prozent bis 2018 auf 40 Prozent. Die Finanzpolitik habe zur politischen Stabilität beigetragen, sagt der Ökonom Janusz Jankowiak. Seit der Wende 1989 sei die Regierung Tusk "die erste, die die Chance hat, wiedergewählt zu werden".
Rostowski, Sohn polnischer Einwanderer in Großbritannien, kam 1989 als Berater des damaligen Finanzministers Leszek Balcerowicz nach Polen, also zu einer Zeit, als viele Politiker vom Wirtschaftsliberalismus einer Margaret Thatcher schwärmten. Entschieden hat sich Polen dann aber doch eher für eine soziale Marktwirtschaft. Mit dem EU-Beitritt 2004 verpflichtete sich das Land, nach Erfüllung aller Kriterien auch dem Euro beizutreten.
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Ein konkretes Datum, wann es so weit sein könnte, nennt Rostowski lieber nicht. Weil der Zloty stark ist, die Wirtschaft auch ohne Euro brummt und die Euro-Zone mit internen Problemen zu kämpfen hat, will die Mehrheit der Polen der Europäischen Währungsunion derzeit nicht beitreten. Größere Unternehmen dagegen dringen auf den Beitritt. Die elegante Formel des polnischen Finanzministers: Erst müsse Polen selbst die Kriterien erfüllen, dann auch die Euro-Zone. In Polen ist vor allem die Inflation zu hoch.
Für die Euro-Zone wünscht sich Rostowski wirksamere Regeln, denn "die strukturellen Schwächen der Euro-Zone sind nicht beseitigt". Auch zu Griechenland hat er eine klare Meinung: Bisher habe die EU zu stark auf Sparen und Strafen gesetzt, das Land brauche aber Unterstützung beim Wachstum. Ohne Wachstum, rechnet er vor, sinke kein Defizit. Es sieht aus, als könnte die Euro-Gruppe Rostowski gut gebrauchen.
  • Aus der FTD vom 04.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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