Polen macht so gleich zu Beginn seiner halbjährigen Ratspräsidentschaft deutlich, dass es sich durchaus als wichtigen Spieler in der Europäischen Union sieht. Mit 38 Millionen Einwohnern das sechstgrößte Land, ist Polen der wirtschaftliche Anführer der mittelosteuropäischen Länder. Seine Volkswirtschaft ist als einzige im Krisenjahr 2009 nicht geschrumpft, und auch für die nächsten Jahre sieht es sich in der Spitzengruppe. "Ich sehe keinen Grund, warum die Wirtschaft in diesem und in den nächsten Jahren nicht jeweils um rund vier Prozent wachsen sollte", verkündet Rostowski.
Der in London geborene und an der London School of Economics ausgebildete Ökonom ist seit 2007 Finanzminister der Regierung von Donald Tusk. In der Krise öffnete er früher als andere die Schleusen für Ausgaben und begann früher mit dem Sparen. Das Haushaltsdefizit will er bis 2015 auf null senken, die Gesamtverschuldung von etwa 55 Prozent bis 2018 auf 40 Prozent. Die Finanzpolitik habe zur politischen Stabilität beigetragen, sagt der Ökonom Janusz Jankowiak. Seit der Wende 1989 sei die Regierung Tusk "die erste, die die Chance hat, wiedergewählt zu werden".
Rostowski, Sohn polnischer Einwanderer in Großbritannien, kam 1989 als Berater des damaligen Finanzministers Leszek Balcerowicz nach Polen, also zu einer Zeit, als viele Politiker vom Wirtschaftsliberalismus einer Margaret Thatcher schwärmten. Entschieden hat sich Polen dann aber doch eher für eine soziale Marktwirtschaft. Mit dem EU-Beitritt 2004 verpflichtete sich das Land, nach Erfüllung aller Kriterien auch dem Euro beizutreten.