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  FTD-Serie: Krieg im Kaukasus

Das georgische Pulverfass ist explodiert: Aus dem seit Jahren schwelenden Konflikt um die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien ist ein offener Krieg zwischen Georgien und Russland geworden. Eine FTD-Serie über das Kriegsgeschehen und die Hintergründe.

Merken   Drucken   08.08.2008, 19:14 Schriftgröße: AAA

Krieg im Kaukasus: Hunderte von Toten in Südossetien

Die Lage im Kaukasus eskaliert: Das russische Militär marschiert in Südossetien ein und bombardiert georgische Stellungen. Nach Behördenangaben sind bereits mehrere hundert Zivilisten ums Leben gekommen. Bundeskanzlerin Merkel will trotzdem bald in die Region reisen.
Russische Kampfflugzeuge bombardierten nach Angaben der georgischen Regierung am Freitag auch georgische Stützpunkte im Land. Das Außenministerium teilte mit, bei dem Angriff auf die Stadt Bolnisi habe es Opfer gegeben. Georgien will als Reaktion binnen Tagen 1000 seiner Soldaten aus Afghanistan abziehen und in die Konfliktregion verlegen.
Bei den Kämpfen in Südossetien seien 1400 Menschen ums Leben gekommen, wie der Präsident der nicht anerkannten Region, Eduard Kokojty, am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax sagte. "In der Hauptstadt Zchinwali sind Hunderte friedliche Bewohner gestorben. Das ist bereits der dritte Völkermord an dem ossetischen Volk, der von Georgien verübt wurde", sagte er. Nachdem Georgien eine Großoffensive mit Panzern, Kampfjets und Raketen gegen Südossetien gestartet hatte, verstärkte Russland seine Truppen in der Region. "Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft", sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew  nach Angaben der Agentur Interfax.
Der georgische Präsident Michail Saakaschwili sagte, Russland führe "Krieg gegen uns auf unserem Gebiet". Es läge im Interesse der USA, seinem Land zu helfen. Ein Vertreter des Nationalen Georgischen Sicherheitsrats sagte: "Russland hat Georgien überfallen. Beide Länder stehen an der Schwelle zu einem Krieg."
USA wollen vermitteln
Das US-Außenministerium kündigte an, einen Gesandten in die Region zu entsenden, der sich um einen Waffenstillstand bemühen solle. Nach Angaben eines Sprechers von US-Präsident George W. Bush besprach sich dieser am Rande der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele in Peking mit dem russischen Premier Wladimir Putin. Details der Unterredung wurden nicht bekannt. Die USA und Russland nehmen in dem Konflikt traditionell entgegensetzte Positionen ein.
Einem Bericht des russischen Staatsfernsehens zufolge überschritten Truppen am Freitag die Grenze zu Südossetien. Saakaschwili sprach von 150 russischen Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, die ins Land eingedrungen seien. Nach Armeeangaben schossen georgische Streitkräfte vier russische Kampfjets ab.
Bilderserie Bilderserie: Kampf um Südossetien
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Vertreter der Nato und der EU riefen die Konfliktparteien zum Ende des Blutvergießens auf. Merkel hielt laut einem Bericht von "Bild"-Zeitung an einem für den kommenden Freitag geplanten Treffen mit Medwedew in Sotschi nahe der russisch-georgischen Grenze fest. Ein Regierungssprecher sagte der Zeitung: "Gerade in der gegenwärtigen Situation ist es besonders wichtig, das Gespräch mit der russischen Seite zu suchen."
Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) forderte freien Zugang zu den Verletzten der blutigen Auseinandersetzungen. "Hilfstruppen kommen derzeit kaum zu den Opfern durch, und verängstigte Menschen verkriechen sich in ihren Kellern, teils ohne Wasser und Strom", berichtete der Chef der Rotkreuz-Delegation im georgischen Tiflis, Dominique Liengme, am Freitag nach IKRK-Angaben.

Teil 2: Verheerende Zerstörungen in der Provinzhauptstadt

  • FTD.de, 08.08.2008
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