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Merken   Drucken   10.06.2010, 06:44 Schriftgröße: AAA

Krise in der Eurozone: EU rüstet sich für Spanien-Pleite

Exklusiv Erst Griechenland, dann Spanien: Die Länder der Eurozone stellen sich auf den nächsten finanziellen Notfall ein. FTD-Informationen zufolge soll der iberische Staat im Ernstfall Milliardenkredite aus dem EU-Rettungsschirm erhalten.
von Brüssel, Frankfurt und Frankfurt

Die Euro-Staaten stellen sich auf finanzielle Nothilfe für Spanien ein. Wenn sich die Probleme im Bankensektor des Landes verschärfen, soll der iberische Staat nach FTD-Informationen Kredite aus dem 750 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten. Mit dem Geld sollen von der Pleite bedrohte spanische Sparkassen und Banken gestützt werden, falls das Land die Schieflage nicht allein in den Griff bekommt.

Die Pläne der europäischen Finanzministerien und Notenbanken unterstreichen die Sorge, dass die Euro-Krise trotz aller milliardenschwerer Sicherungs- und Sparpakete nicht entschärft ist. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy  befeuerte Spekulationen, dass die Rettung der europäischen Gemeinschaftswährung mehr kosten wird als bisher angesetzt.

Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen in %   Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen in %

Man könne sich "natürlich auch vorstellen, über die 750 Mrd. Euro hinauszugehen", sagte der Belgier am Donnerstag in Berlin nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Für diese Notwendigkeit gebe es aktuell aber keine Anzeichen.

Beim Beschluss über den Rettungsschirm Anfang Mai hatte vor allem Portugal als erster Kandidat gegolten, der nach Griechenland auf Kredite aus dem Rettungsfonds angewiesen sein könnte. Inzwischen bereitet Spanien mehr Sorgen. Seit Tagen ist der Interbankenhandel in Südeuropa praktisch blockiert. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  sprach "von anhaltenden Spannungen in einigen Segmenten des Finanzmarkts".

Spanien leidet - anders als Griechenland - nicht unter einem gigantischen Staatsdefizit, sondern unter einer Überschuldung seiner Bürger. In dem Land war es zu extremen Preisübertreibungen am Immobilienmarkt gekommen. Als die Blase platzte, mussten die Banken - insbesondere die Sparkassen - enorme Kreditausfälle verkraften. Ein Ende der Misere ist nicht absehbar. Mehrere Geldhäuser mussten schon gerettet werden. Ein Flächenbrand könnte den nationalen Rettungsfonds und damit den spanischen Staatshaushalt überfordern.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, es gebe "derzeit" keine Anzeichen für einen spanischen Hilfsantrag. Nach FTD-Informationen geht es eher um ein Szenario für die nächsten Monate. Madrid selbst soll EU-intern die Dramatik bestritten haben. Am Donnerstag nahm Spanien über eine dreijährige Staatsanleihe 3,9 Mrd. Euro ein.

Teil 2: EZB setzt Kauf von Staatsanleihen fort

  • Aus der FTD vom 10.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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